Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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Die Schulprügel.

nach Kräften dazu beantragen, daß die Erneuerung jener
Mode so nahe als möglich gerückt werde.

Wohlan! So laßt mich denn an'S Werk schreiten, und
zwar nicht blos mit Hitze und heiligem Eifer, wie cs bei
Streitigkeiten in Kirchen- und Schulsachen jetzt so häufig
geschieht, sondern sogar mit Gründen. Ich gebe aber meine
Gründe am besten, indem ich die sogenannten Gründe meiner
Gegner widerlege. Dabei werde ich ehrlich zu Werke gehen
und nicht blos der Reihe nach Alles anführen, was diese
Gegner zur Unterstützung ihrer Meinung wirklich gesagt
haben oder sagen, sondern auch was sie sagen können. —
„Prügel" — sagen sie — „erreichen die Zwecke der Bestra-
fung nicht, oder doch nur höchst unsicher und mangelhaft; ja
sie arbeiten diesen Zwecken sehr oft gerade schnurstracks ent-
gegen." — Welches sind denn aber die Zwecke der Bestra-
fung? Ist cs die bloße Wiedervcrgeltung, wodurch eine
Unart, ein begangenes Vergehen gesühnt und gleichsam aus-
gelöscht wird? Ist cs die Besserung des Gezüchtigten und
die Abschreckung der Andern, oder ist cs Alles dieses zu-
sammen? — ich frage in jedem Falle: Was soll man denn
am Ende am Menschen bestrafen? — Den Körper? — Das
wollt Ihr ja eben nicht. — Die Seele? — Allein dieß
dürft Ihr dann eben so wenig, ja noch viel weniger wollen.
Jede Strafe muß doch irgendwo und irgendwie wehe thun,
denn sonst wäre sie ja gar keine Strafe; warum soll nun
dieses Wehe gerade nur die Seele, den offenbar wichtigen:
und edlern Theil des Menschen treffen, und der Körper, der,
um mich populär auszudrückcn, schon eher einen Puff ver-
tragen kann, sollte dabei ganz leer ausgehen? — Nichts
kann ungereimter sein. Regt uns nicht gerade der Körper
durch seine Triebe zu den meisten Unarten und Vergehen an,
und ist er nicht immer das Mittel, wodurch sie sich äußern?
Bald ist es unser Ohr, das nicht hören will, was es hören
soll, bald unser Auge, das zu viel oder zu wenig sieht, bald
sind cs unsre Lippen, die sich zur Unrechten Zeit bewegen,
zur Unrechten Zeit schweigen. — Ihr sagt: „Prügel sind

etwas Erniedrigendes, und man muß auch in den Kindern
die Menschenwürde ehren." — Du lieber Gott! als ob die
Menschenwürde etwa im Rücken oder gar im Hintern säße!
Die sitzt ganz wo anders, und man kann den Körper bläuen,
puffen, zwicken u. s. w. wie man will, die Menschenwürde
wird dadurch nicht mit gebläut oder gezwickt. — „Man
muß die Kinder lieber mit guten Worten ermahnen," —
sagt Ihr, — „man muß sie bei ihrer Ehre angreifen, nur
nicht schlagen; wenigstens nicht ohne die äußerste Noth." —
Mit guten Worten? Das kommt mir gerade vor, als ob
man Einem, der Zucker genascht hat, zur Strafe dafür
Honig zu essen geben wollte. Er wird nur um so gieriger
fortnaschcn. — Bei der Ehre angreifen? — Was ist denn
die Ehre? Der Eine setzt sie in dies, der Andre in jenes,
und die meisten wissen eigentlich gar nicht, worin sie steckt
Wenn sich ein paar Studenten oder Offiziere duellircn, so
geschieht dieß auch um der lieben Ehre willen; aber da
schießen, stechen und hauen sie doch nicht eben auf ihre Ehre

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selber, sondern gerade auf ihre Körper los. Warum soll
nun gerade der Schulmeister nicht auch auf die Körper los-
haucn, wenn er cs mit der Ehre zu thun hat? Uebrigens
ist die Ehre bei Kindern entweder — was meist der Fall
ist, — ein noch sehr wenig empfindliches, sehr hartschwieligcs
Ding, so daß es ihnen sehr wenig oder gar nicht wehe thut,
wenn sie dabei angegriffen werden; daß sic einen „Bengel",
„Flegel", „Dummbart", „Esel" und dergleichen pädagogische
Injurien ohne großes Gefühl der Beleidigung auf sich sitzen
lassen, ja vielleicht innerlich darüber lachen, wenn sie es nicht
äußerlich zu thun wagen, daß also dergleichen Angriffe bei
der Ehre weder zur Sühne noch zur Besserung dienen. —
Oder aber das Ehrgefühl — wollen wir voraussetzen, —
ist bei ihnen sehr empfindlich, nun dann, möchte ich frage»,
thut cs denn nicht unendlich mehr wehe, wenn durch solche
Injurien auf die Ehre losgcprügelc wird, als wenn auf den
Körper? Ein so ehrliebender Schüler läßt sich zehnmal lieber
den Rücken blau färben, als durch einen „Dummbart" und
dergleichen seiner Ehre einen Flecken geben.

(Schluß folgt.)

Ein grausamer Hanswirth.

Hanswirth: „Meine Herren! Das geht nicht, das
leiden die andern Mitbewohner nicht; Quartette können Sie
gern spielen, aber Jeder seines allein, daß es — keinen l
solchen Lärmen macht!"

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein grausamer Hauswirth"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Busch, Wilhelm
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Musiker <Motiv>
Vermieter
Hausmusik <Motiv>
Ruhestörung
Ärger <Motiv>
Quartett
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
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Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 944, S. 47 Universitätsbibliothek Heidelberg
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