Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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Fester Glauben.

Die Schulprügel.

jetzt in so vielen Schulen das Turnen als obligatorisch ein-
führen will, warum denn die Prügel abschaffen, die doch
eigentlich das ursprünglichste, natürlichste und allereinfachste
Turnen sind?

Ist nun der körperliche Nutzen erwiesen, so versteht sich
der Gewinn für den Geist, bei der bekannten Abhängigkeit
desselben von dem Körper, eigentlich schon von selbst; ich
habe aber meine Gründe, besonders auch hier auf eine aus-
führlichere Erörterung einzugehen. Also erstens: Prügel
bringen auch geistigen Nutzen, und zwar Beiden, dem Schüler
und dem Lehrer, und obendrein der ganzen Classe. Zweitens:
Dieser Nutzen erstreckt sich auf alle Vermögen und Kräfte
dieses Geistes, doch meist vorwiegend, bald auf diese, bald
auf jene Kraft, so daß man, wenn man als die drei Grund-
kräfte des Geistes Erkenntnißvermögen, Gefühl und Willens-
kraft annimmt, demgemäß auch drei Hauptspecies von Prügeln,
nämlich Erkenntnißprügel, Gefühlsprügel und Willensprügel
unterscheiden könnte. Die ersten bringen vorzugsweise Ein-
sichten bei, die andern veredeln die Gefühle, die dritten geben
dem Willen eine zweckmäßige Richtung. Will man in der
philosophischen Sprache des Beneke'schen Systems reden,
— das, wie ich glaube, der Lehrerwelt das bekannteste ist, —
so drückt man das Verhältniß etwa so aus: Prügel befördern die
Ansammlung von Urkräften und das Hinüber- und Herüber-
fließen der beweglichen Elemente. Gehen wir dies im Ein-
zelnen näher durch. Schon Lichtenberg bemerkt, daß die
Aerztc, um gewisse Krankheiten zu heilen, die Arzneien auf
die den kranken Gliedern gerade entgegengesetzten Theile des
Leibes appliciren; nun sei aber die Seele ein dem Körper
gerade entgegengesetzter Theil des Menschen, man könne also
Krankheiten der Seele am besten durch Mittel am Leibe
heilen. Schon von jeher sei ja z. B. die Ruthe als das
kräftigste Mittel gegen einige Krankheiten des innern Kopfs
bekannt gewesen. Freilich habe diese ihre besondere Wirk-
samkeit auch dem doppelten Gegensätze zu verdanken, der bei
ihrem Gebrauche stattfinde; denn erstlich werde sie nicht blos
auf den Leib als das Entgegengesetzte der Seele, sondern
auch auf einen solchen Theil des Leibes applicirt, der dem
Kopfe als dem Sitze derselben gerade entgegengesetzt sei, be-
sonders wenn der Mensch im natürlichen Zustande sei und
auf allen Vieren gehe.

Es gibt Narren, welche behaupten, in der Schule wür-
den die Kinder oft dumm geprügelt; nein, gescheidt wer-
den sie geprügelt. Ein paar Hiebe zur rechten Zeit und
im gehörigen Grade applicirt, verschaffen dem Geiste Ein-
sichten, zu denen er ohne sie entweder gar nicht oder doch
erst auf Umwegen gekommen wäre, hellen die Begriffe auf,
schärfen das Urtheil, helfen der Erinnerung auf die Beine,
beleben die Phantasie und erschüttern nicht nur den Körper,
sondern schütteln auch die Ideen auf eine heilsame Weise
durcheinander, — kurz, sie sind den Kindern das, was dem
Lehrer ein paar Prisen Schnupftabak, zur rechten Zeit ge-
nommen, sind.

(Schluß folgt.)

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Professor (vor einer Tafel mit mathematischen Figu-
ren): „Und nun will ich Ihnen diesen Lehrsatz jetzt auch
beweisen."

Junge: „Wozu beweisen, Herr Professor? Ich glaube
es Ihnen so."

Neue Lesart von der Bürgschaft.

Zu Dionys dem Tyrannen schlich
Möros, den Dolch im Gewände;

Ihn schlugen die Häscher in Bande.

„Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich?"

Entgegnet ihm finster der Wütherich.

„Na, dös wird doch dem Herrn Tyrannen nir verschlage,
Wenn ich mein Dolch will zum Schleifen trage!"

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"Fester Glauben" "Neue Lesart von der Bürgschaft"
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Fliegende Blätter
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G 5442-2 Folio RES

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Busch, Wilhelm
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München

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Die Bürgschaft

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Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 945, S. 55 Universitätsbibliothek Heidelberg
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