Fliegende Blätter — 6.1847 (Nr. 121-144)

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Amerikanische Briese.

wozu braucht der Kerl zu niesen? — Eine Menge Fragen drängen
sich meinem beängstigten Gemüche am: Woher kommt dieses Niesen?
Was bedeutet dieses Niesen? Ueberhaupt, warum niest der Kerl? —
Seil einigen Tagen habe ich mich mitHetzel'n auss Beobachten gelegt,

denn was zu arg ist, ist zu arg, und hinter diese Nieserei muß ich
schon der öffentlichen Ordnung wegen kommen, Gottlob!

Dann ist noch der Picker und der Knaspe — so oft sich die
beiden Sakermenter begegnen, bleiben sie stehen und sehen einander

an. Denken Sie fich, lieber Herr Vetter und Kollege, Gottlob!
bleiben stehen und sehen einander an! Nun sag' mir Einer um's
> Himmels willen: Woher kommt dieses Stehenbleiben und Einander-

SI

anfthen? Was bedeutet dieses Stehenbleiben und Einander-
ansehen? Ueberhaupt, warum bleiben diese Kerle stehen
und sehen einander an? — Za, das ginge mir noch ab, !
daß solcher Unfug im Staate einriß; Ordnung muß sein,
das ist mein Grundsatz, und der Hetzel und Bimmel hat
auch den Grundsatz, Gottlob! Ordnung muß sein, Potz
Bomben und Granaten — sonst kämen zuletzt Alle, blieben J
stehen und sähen einander an, und da möchte Rinaldo
Rinaldini oder der bayerische Hiesel Bürgermeister sein, >
ich aber nicht; Gottlob!

Der Muckeberg ist auch so Einer, der nichts nutz ist.
Der Schlingel ist gerade das Gcgentheil vom Picker und
Knaspe, bleibt nie stehen und geht und sttzl immer allein. I

Warum bleibt der Schlingel nie stehen? Warum geht
und fitzt er immer allein? Hetzel und Bimmel behaupten,
er habe unter fich eine geheime Gesellschaft gestiftet. Ich
glaub's fast selbst, und will ihn jetzt etwas aufs Korn
nehmen, aber begesellschastelt soll der Schlingel werden,
wenn an der Sache das Geringste ist. Gottlob! Mir
fehlte nichts zur Ordnung, als solche geheime Gesellschaf-
ten ! Und dann, lieber Herr Vetter und Kollege, Gottlob!
was sollte aus einem Bürgermeister werden, wenn der-
artige geheime Gesellschaften überhand nähmen? Nein,
der Muckeberg muß fich auflösen, und wenn er einmal
aufgelöst ist, so will ich schon sorgen, daß er nicht wieder
zu einer geheimen Gesellschaft zusammen ttitt. Gottlob!

Nach alle Diesem sehen Sie, lieber Herr Vetter und
Kollege, Gottlob! daß des zersetzenden Stoffs auch bei
uns genug vorhanden ist; einem gebildeten Bürgermeister
aber, welcher Lust hat, vielleicht aus den Leipzigerrrrrrr
Kinderfreund zu abonniren, muß das mit allerlei ernsten
Bedenken für die Zukunft erfüllen; selbst mein Gensdarme
hat Falten aus der Stirn, aus Sorge, und von dem
Nachtwächter ist die Heiterkeit gewichen. Hier, am Rio

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Amerikanische Briefe"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Reinhardt, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Auswanderer <Motiv>
Nachdenklichkeit
Niesen <Physiologie, Motiv>
Karikatur
Urwald <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Amerika <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 6.1847, Nr. 132, S. 91
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