Fliegende Blätter — 61.1874 (Nr. 1511-1536)

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Z^eitu ngsexpeditionen angenommen. Erscheinen bei directem Bezüge. Einzelne Nr». 9 kr. od. 2*/2 @gr.

Herr Doktor Dipfler war ein Mann von Grundsähen.
Was er für richtig erkannte, das wurde mit Consequenz durch-
geführt, und da er sehr viele richtige Grundsätze hatte, so hatte
er auch sehr viele bestimmte Gewohnheiten, deren vorzüglichste
die Pünktlichkeit war. Schon als Student war er wegen seiner
bis in's Kleinste gehenden Genauigkeit vielfach die Zielscheibe
des burschikosen Witzes seiner Studiengenossen gewesen und mit
de» Jahren hatte ihn diese Eigenschaft zu einem wahren Ideal
der Accuratesse gemacht. Herr Doktor Dipfler war praktischer
Ärzt in seiner Vaterstadt. Anfangs fehlten ihm die Patienten
llicht. Als aber einige unglückliche Kuren Aufsehen erregt hatten,
begann eine Familie um die andere sich nach einem andern Haus-
arzt umzusehen und zu der Zeit, da wir die Bekanntschaft mit
Herrn vr. Dipfler machen, war er, einige Arme abgerechnet,

Pünktlichkeit.

sein einziger Patient. Herr Dipfler konnte sich mit der neueren
medizinischen Wissenschaft nicht zu Recht finden. Der stete
Wechsel der Ansichten über die Natur der Krankheiten und deren
zweckmäßige Behandlung brachte den Mann von Grundsätzen
in eine heillose Verwirrung. Sprach sich eine Autorität für
eine Ansicht in irgend einer Zeitschrift, von denen sich Herr
Dipfler keine entgehen ließ, aus, so schwur Herr Dipfler sofort
auf des Meisters Worte, machte sich dessen Anschauung zum
Grundsatz und handelte nach demselben mit der ihm eigenthüm-
lichcn Consequenz. Aber kaum daß k)r. Dipfler die letzten
Konsequenzen für sich gewonnen hatte, kam gewöhnlich eine nicht
minder gewichtige Autorität mit ganz verschiedener Anschauung
und nun mußte Di-. Dipfler wieder vou vorne anfangen, um
ans dem neuen Grundsätze neue Konsequenzen zu ziehen. Daß
über diesen Experimenten seine Patienten starben, konnte nicht
befremden und schließlich >vard der Herr Doktor selbst lediglich
ein Opfer seiner wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, so daß ihm
von allen Patienten nur die eigene ziemlich schwächliche Persön-
lichkeit zur Behandlung übrig blieb. Herr I)r. Dipfler hatte zum
Glück ein ziemlich anständiges Privatvermögen und war ledig.
Was ihn zum Hagestolz gemacht hatte, war im Grund ge-
nommen nichts, als sein übertriebener Ordnungssinn. Auf
seinem Schreibtische hatte jeder Gegenstand seit langer Zeit den
bestimmten unverrückbaren Platz. Was für ein unerträglicher
Zustand wäre es für Herrn Dipfler gewesen, >venn etwa gar
seine Frau beim Abstauben diese auf den Grundsätzen der
Zweckmäßigkeit festgegründete Ordnung seines Schreibtisches und
sei es auch nur rücksichtlich des Aschenbechers oder des Falz-
beines, der Papierscheere oder des Tintenzeuges verrückt hätte.
Diese Erwägung hielt ihn wie eine rettende Hand zurück, so
oft er es wagen wollte, sich unter das Joch der Ehe zu beugen.

Im Anfänge seiner ärztlichen Laufbahn hatte Herr l)r.

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"Ein Mann der Pünktlichkeit"
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Fliegende Blätter
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München

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Sammlung Eingang

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Brief <Motiv>
Lediger <Motiv>
Pünktlichkeit
Genauigkeit
Charakter
Karikatur
Arzt <Motiv>
Satirische Zeitschrift

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Fliegende Blätter, 61.1874, Nr. 1526, S. 121 Universitätsbibliothek Heidelberg
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