Fliegende Blätter — 9.1848 (Nr. 193-216)

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Memoiren eines Opferpfennigs.

(Fortsetzung.)

„Halt, Elender!" flatig es jetzt plötzlich aus dem Wald, und
eine nervige Faust hielt den geschwungenen Arm des entsetzlichen
Sohnes auf. Dieser kehrte sich rasch, und sobald er einen dritten
neben fich sah, wendete fich diesem auch sogleich sein Zorn entgegen.
Den Prügel wegwerfen, ein langes Meffer aus den Fremden zucken,
war wirklich das Werk eines Augenblicks. Der Fremde aber, der das
grüne Gewand eines Jägers trug, sprang auf die Seite, zog ein

Pistol aus seiner Jagdtasche und feuerte es auf Melcher ab.
Der Schuß ging fehl und die Kugel fuhr hart neben dem
auf der Erde liegenden Greis pfeifend in den Boden.
Melcher rüstete fich zu einem neuen Angriff; so mit ge-
schwungenem Meffer, fich emporsträubenden Haaren, wuth-
bleichem Geficht, war er schrecklich anzusehen. Er hatte es
aber mit einem gewandten Gegner zu thun. Rasch kehrte
dieser die abgeschoffene Pistole um, und gebrauchte sie als
Keule. Ein wohlgezielter Schlag traf die Rechte Melchers
so heftig, daß ihm das Meffer aus der Hand fiel. Noch
hätte also der Rasende Zeit zur Besinnung gehabt, aber
umsonst. Mit einem gewandten Griff hatte er sein Meffer
wieder aufgerafft und ging mit demselben bewaffnet auf
den Gegner los. Dieser führte einen zweiten, weitausge-
holten Schlag mit der Pistole und es bedurfte keines
dritten. Melcher, an der Stirne getroffen, taumelte zurück
und kehrte fich um, er schien fliehen zu wollen, that aber
bloß ein paar Schritte und fiel dann mit dem Gesichte an
eine schneeweiße Birke, an der er langsam herabrutschte.
Er war ganz todt, sein Blut und Gehirn rann an der
Birkmrinde herunter. —

Wehklagend bemerkte es sein Vater, er stürzte fich auf
den Sohn, ihm das Blut aus dem Geficht zu wischen,
und dann wollte er gar den todten Körper auf seine
Schultern laden und forttragen.

Der Fremde riß ihn zurück, sprach hastig etwas von
einer Gerichtsvifitation, und nachdem er einige Sekunden
spähend umhergeschaut hatte, zog er ein weißbeinernes
Pfeifchen hervor und entlockte demselben einige scharfe Töne.
Bald eilten ein paar Jäger herbei, diesen befahl er bei
der Leiche zu wachen, er selbst, den zögemden Alten mit
sich fortziehend, verschwand im Walde.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Memoiren eines Opferpfennings"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Auseinandersetzung
Bettler <Motiv>
Wald <Motiv>
Jäger <Motiv>
Karikatur
Pistole
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)
Prügel <Motiv> Prügel <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 9.1848, Nr. 201, S. 65 Universitätsbibliothek Heidelberg
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