Fliegende Blätter — 9.1848 (Nr. 193-216)

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Memoiren eine- Opferpfennigs.

(Fortsetzung.)

Es war ein verworrener Knäuel von Kämpfenden, und aus
dem Zusammenlaufen aller auf dem Schlachtfeld zerstreuten Sol-
daten schloß ich, daß es fich dort um eine wichtige entscheidende
Sache handle. So war es auch, denn ich bemerkte mitten unter
dem wilden Getümmel einen stattlichen Mann, den seine goldge-
; stickte Kleidung als einen Heerführer kenntlich machte. Um seine
i Person stritt es fich, die einen wollten ihn mit fich fortreißen,
die andern suchten ihn zu befreien. Jetzt werden seine Anhänger
zurückgedrängt, einer der Feinde faßt ihn am Hals und schreit
j ihm mit wükhenden Geberden etwas zu. Ich vermuthe es war
! eine Aufforderung, fich zu ergeben, denn man steht wohl im Traume,
i aber hört Nichts. Der General scheint fich nicht ergeben zu

wollen — weh' sein Dränger hat schon den Säbel geschwun-
gen, noch eine Minute und das Haupt des Feldherrn ist
gespalten. Aber blitzschnell fährt ein anderer schwertbewaff-
neter Arm dazwischen, die Spitze seines Schwertes ist gegen
den Feind des Feldherrn gerichtet; die Klingen fahren anein-
ander und dieser ist gerettet, sein Feind finkt mit einer
Ungeheuern Wunde auf der Stirn vom Pferde. Wer ist
der Retter des Feldherrn, ich kann ihn noch nicht sehen,
denn er war bald im dichten Kampfgewühl wieder ver-
schwunden. Der Kampf ist aus, der General hat gefiegt,
da fitzt er müde auf einer Lafette, seine Officiere um ihn.
Er frägt fie sehr eifrig um Etwas, was fie ihm nicht beant-
worten können. Da kommt ein Hausen Soldaten, sie tragen
einen Kameraden im Triumph auf ihren Schultern; wie
der Feldherr seiner ansichtig wird, so springt er auf, eilt
auf ihn zu und umarmt ihn, den gemeinen Soldaten. Die
Officiere schütteln ihm die Hand, einer setzt ihm einen schnell
geflochtenen Tannenzweig auf den Helm. Es fehlte nicht, es
muß dies der Retter des Generals gewesen sein; wie ich ihn
näher anschaue, erkenn ich in seinem Gesichte deutlich die
Züge — des vor mir schlafenden Greises. Gewiß war ihm
dies einst geschehen, denn sein im Traum daliegendeS Antlitz
glänzt vor Freude — es steigt vor ihm ein langer, schön
geordneter militärischer Zug aus, an der Spitze der sieg-
reiche Feldherr, von vielen Generälen umgeben, und mitten
unter den glänzenden Uniformen ist das schlichte Kleid eines
gemeinen Reiters zu erkennen — es deckt die jugendlichen,
geschmeidigen Glieder dessen, der jetzt als schwacher alter
Mann vor mir im Schlafe liegt. Ich sah jetzt eine große
Stadt im Traumbild fich gestalten, bei dem Einzug in die-
selbe seh' ich den träumenden Greis mit Ehren überhäuft.
Jetzt erklärte ich mir die ganze Haltung des Greisen, den
Schmerz über die trüben Tage der Gegenwart, da er solche

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Memoiren eines Opferpfennings"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Schlachtfeld
Feldherr <Motiv>
Karikatur
Gefallener <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 9.1848, Nr. 200, S. 57 Universitätsbibliothek Heidelberg
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