Fliegende Blätter — 9.1848 (Nr. 193-216)

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Wie's mir diesmal ging, sollt ihr sogleich hören. —
„Grüß Gott, Vater, wohin bei dieser Hitze?" — so rief ich
dem Alten zu. Er hätte mich nicht gemerkt, wenn ich nicht
an sein Gehör mich gerichtet hätte, denn seine Augen waren
ganz davon in Anspruch genommen, für seine alten Füße die
besten Stellen im Wege auszusuchen, und statt viel auf die
Umgebung zu schauen, mußten sie nach zuverläßigen Stellen
spähen, wo er seinen Stab ficher anstemmen konnte. Ich muß
sagen, fie gefielen mir viese Augen, als er fie jetzt emporwandte,
um den Ort zu finden, von dem die Anrede gekommen war.
Es waren hellblaue, noch ganz glanzreiche Augen, die Wangen
waren freilich sehr verwittert und fällig, und zeigten, daß fie
schon sehr lang Sturm und Sonnenschein und weiß Gott was
noch Alles ausgehalten hatten; aber hätte man die Wangen
nicht gesehen, die Augen hätte man für junge Augen gehallen.

Nachdem ich nun eine Weile diese Augm und fie mich be-
ttachtet hatten, fragte ich weiter:

„Hier ist angenehmer Schatten — nicht ein wenig ausruhen?"

„Mein Geschäft," antwortete der Greis, „läßt nicht zu, daß
ich im Wald fitze und ausruhe, wenn auch der Schalten noch
angenehmer wäre."

„Und was ist Dein Geschäft?" ftagte ich weiter.

„Ich bin ein Pfennigsammler, eine beschwerliche Arbeit,"
antwortete der Alte mit einem tiefen Seufzer.

„Ein Pfennigsammler? Was ist das für ein Geschäft?"

„Man heißt es sonst auch Betteln," sprach der Alte.

„Ah so," erwiederte ich und griff in die Tasche, um ihn
sein Geschäft vollenden zu helfen. „Aber wie kannst Du sagen,
daß dies ein so beschwerliches Geschäft ist?"

„Za wohl beschwerlich! recht beschwerlich! Ach, wie find
die Pfennige so schwer und wie brennen fie in die Finger,
wenn man fie so anrühren muß."

Memoiren eine- Opferpfennigs.

(Fortsetzung.)

Ich pflege an keinem Wäfferlein vorüberzugehen, ohne daß
ich hineinschaue, ob kein Fisch darin schwimmt, lasse kein Gras-
fleckchen unbettachtet, es könnte zlvischen den Gräsern irgend ein
seltenes Blümchen versteckt sein, es ist kein Rauschen auf einem
Baume, ohne daß ich hinausschaue, denn ein Eichkätzchen könnte
auf den Zweigen lustig herumranzen, und wenn es in der Luft
schwirrt, so muß ich schnell und scharf Hinblicken, ob nicht ein
merkwürdiger Vogel mit seltsamen Federn vorübergeflogen ist.
So ist eS auch meine Gewohnheit, an keinem Menschen vor-
beizugehen, ohne daß ich ihn anrede. Oft Hab' ich dabei einen
guten Fang gemacht, freilich oft auch meine Worte wie ein
lettes Netz zurückziehen müssen.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Memoiren eines Opferpfennings"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Bettler <Motiv>
Wald <Motiv>
Begegnung <Motiv>
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 9.1848, Nr. 199, S. 49 Universitätsbibliothek Heidelberg
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