Fliegende Blätter — 9.1848 (Nr. 193-216)

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Noch ein Brief aus Schleswig-Holstein.

Gelibte Aeltcrn und Geschmuster!

Recht ungeheier sehr habe ich mich gefreit über euer» Brif
und das alle miteinanter recht münder sind und wohl. Ich bin
Gott sei dank auch munder und gesunt aber Pst Teifel — die
Annerl sollte sich doch schämen. Erst laufe ich ihr so lange
nach und thue schön mit ihr und sie mit mir und jetzt schreibt
ihr mir, daß sie auf einmal den alten Amtsdiner Greifelshubner
zum Manne nehmen will. So ein alter rothharichter, moten- .
frasigterStrunk sollte sich auchschämen, einen öhrlichen Soltaten
sein Mädel hinter den Ricken gerade under der Nase wegzufuksen.
Und die Annerl solls auch schon noch bereien, aber sagts ihr,
prigeln wollte ich Sie darum noch nicht, nur den Amtsdiner.

Ihr müßt noch das ich hinten am Ente in meinen
Brise in den linken Schenkel geblesirt wurde und dieserhalb
die Eroberunk von Goltding nicht mitmachen konnte, was
hol mich der Teifel mich sehr geärchert hat und gar nicht
hibsch ist. Aber mein Lantsmann der Wetschbacher ist mit
dabei gewesten und hat es mir hahrklein erzählt. Schämen
sollten sich die Leite in Goltdings wie Sie es gemacht haben.
Denket euch, Steine haben Sie aus den Fenstern auf unsere
Kamerathen geworfen und warmes Waster und heißes Oel.
Das Donnerwetter soll die Kärle regiren aber unsre Trubben
haben cs Ihnen auch terb gesagt und die ganse Gesällschaft
zum Teifel geschikt. — Wetschbacher hat so ein Goltdingricher
mit einem Stein grade auf dem Schakoh gedroffen, welcher
ein Loch und Wetschbacher eine große Bäule auf den Kopf
gekriegt hat und mit den infamichten heißen Oele haben Sie
auch Wetschbachern auf seine beßte Montuhr drei große Fläcke
gemacht, was gar nicht wider herausgeht. Gott stöh mir bei,
Kreizbompenölemcnd ich hette Alles nidergeschosen was ich
gekriegt hette und die ich nicht erwüscht hette, die hette ich
hohl mich der Teifel auch nidergeschosen.

Liebe Aeltcrn und Geschwüster — wuntern Sie sich
nicht das ich mir ein Bischen das Flügen angewehnt habe,
aber das geht nun einmal im Krige bei den Soldaten nicht
anders. Bei uns flugt Alles, der Gehneral, der Magohr,
der Leidcnant, am mährsten aber der Korberal und so ein
bisgcn Fluge» ist zu Zeiten manchmal recht gut und erwermt
einen so gut wie ein guter Schnabs.

Nun also wider auf mich zu kommen misten sie wohl noch
das ich bei Dipplcn einen Hieb kriegte und in das Schbidahl
gebracht wurde. Aber in so einen Schbidahle ist ein rechtes Elent
und wenn einer halbgesund hinein kommt muß er erst dadrinne
recht krank werden, denn es liegen gar so viele drinne und es
riecht auch recht ibel wie Sie liebe Aeltcrn und Geschwüster

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Noch ein Brief aus Schleswig-Holstein"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Lichtenheld, Wilhelm
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Soldat <Motiv>
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 9.1848, Nr. 215, S. 177 Universitätsbibliothek Heidelberg
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