Fliegende Blätter — 9.1848 (Nr. 193-216)

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Und wenn's gut ging, so wurden zwei Wegen mit einer Klappe
getödtet.

Hatte fie früher auf alle Mädchen ohne Ausnahme gescholten,
so war Margarethe die einzige, die sich für den Stadtkämmerer
paßte. Dieser, von der unerwarteten Zustimmung überrascht,
glaubte wirklich, es sei hier ein Wunder geschehen, und säumte
keinen Augenblick, die ihm gleichsam vom Himmel beschiedene
Braut mit Sturm zu erobern. Wie es ihm gelungen, haben
wir oben gesehen.

Das Eine war nun erreicht. PistoriuS war für immer vom
Heirathsfieber kurirt. Es bedurfte nur geringer Nachhülfe, um
auch das Andere zu bewirken.

„Eine Sünde und Schande ist es," sagte Susanns, indem
fie dem bald Genesenden die Kissen seines Lagers auffchüttclte
und zurecht legte, „eine Sünde und Schande ist eS, wohin der
Hochmuth führt! Jedes Fräulein von hochadeligem Blute hätte
fich eine Ehre daraus gemacht, ihre Hand einem in Amt und
Würden stehenden Manne, einem Gelehrten, zu reichen! Und
dieses Müllerkind, dieses Bauernpack, schlägt fie aus? Aber das
kommt Alles daher, daß man zu nachfichtig gegen fie ist, fie
nicht zwingt, die Dienste und Abgaben in gleicher Weise zu
leisten, wie jeder andere ehrliche Bürger. Sie erwerben fich
ungemessene Reichthümer dadurch, pochen auf Rechte und Frei-
heiten, und nehmen fich heraus, die Vorgesetzten der Stadt zu
behandeln wie ihres Gleichen. Dürfte ich nur eine Stunde im
Rathe fitzen, was sollten mir die Müller....!"

„Susanns," unterbrach Herr Becker die streitbare Haus-
hälterin, „reich' fie mir doch einmal den Spiegel her. Ich
glaube, ich kann Morgen wieder ausgehen. Die Geschwulst
hat bedeutend nachgelassen. Es hat doch Niemand den eigent-
lichen Grund meiner Krankheit erfahren?"

„Keine Seele!" verficherte diese. „Ihr habt in dem großen
Aktenschranke etwas suchen wollen, seid hinaufgeklettert, das

(Schluß.)

Sie wußte, wie ihr denn nichts in der ganzen Stadt un-
bekannt war, daß ihr Gebieter die schöne Müllerstochter mit
begehrlichen Augen bettachte, und berechnete leicht, daß die
starke Mitgift vom alten Gebhard den schwankenden Entschluß
befestigen und endlich zur Reife bringen müsse. Aber fie wußte
auch eben so sicher, daß Margarethe nimmer ihren Kurt auf-
geben und fich den Bewerbungen des alten Knaben fügen werde;
mochte auch Gebhard sich wirklich von der Aussicht blenden
lassen, den Stadtkämmerer zum Schwiegersohn zu erhalten,
Margarethe war ein handfestes, unerschrockenes Kind, sie wußte
sich im Nothfall selbst zu schützen. Zudem beneidete die Haus-
hälterin die Müller um ihrer Rechte und Freiheiten willen.

Der Müllerstreit.

,s

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Müllerstreit"
Weitere Titel/Paralleltitel
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Fliegende Blätter
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Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Schmolze, Carl Hermann
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Kranker <Motiv>
Sitzmöbel
Stadtkämmerer
Karikatur
Junge Frau <Motiv>
Sofa <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 9.1848, Nr. 204, S. 89 Universitätsbibliothek Heidelberg
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