Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 1): Forschungen in Ephesos — 1906

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„ad ingentes in Epheso thermarum reliquias.“ Diesen Fundort bestätigt Th. Smith1) mit
den Worten: „non procul a Dianae templo“, da die große Thermenruine am Hafen in
älterer Zeit vielfach für das Artemision gehalten wurde. In einem stark, wie es scheint,
reducierten Zustande sah den Stein noch Wood;2) jetzt ist er verschollen. Er befand sich
also ursprünglich beim Hafen der Lysimachischen Stadt. Beurkundet wird die Weihung-
einer Schale und eines Gußgefäßes (aus Edelmetall) an Isis und Serapis, mit Angabe eines
wohl auf beide Stücke bezüglichen Gewichtes von 820, 347 Gramm, im Werte von 230 De-
naren. Die Weihung erfolgt durch Μ. Pomponios Lageinos (Lateinos nach den Vorlagen
Boeckhs) während der Functionsdauer des Priesters (der Isis und des Serapis) G. Sossianos,
im Amtsjahre des ephesischen Prytanen und Archiereus G. Klaudios Titianos, Sohnes des
Demostratos. Dieser Prytane gehört einer angesehenen, nach Athen verzweigten Familie des
zweiten Jahrhunderts n. Chr. an.3) Am Schluß steht ein unvollständiges Personenverzeichnis
von ναυβατούντων. Über die letzteren bemerkte Boeckh: „mihi videntur ministri sacrorum nescio
qui fuisse, quos non offendit in fine tituli addi, quum ii, qui initio positi sunt, eponymi
sint“. Aus diesen mit Vorsicht unbestimmt gehaltenen Worten erschloß nun Ernst Curtius
im Gedanken an die vermeintliche Verbindung des Artemision mit dem Meere, ein „Amt
der ναυβατουντες“, das am Artemision „unter den ansehnlichsten Tempelämtern“ bestand und
„durch künstliche Bassins und Canäle Wasserwege herstellte, welche zum Heiligtume
führten“. Aber schon in ihrer hyperbolischen Form sind solche Folgerungen fragwürdig.
Auf der Hand liegt, daß die Inschrift nichts mit dem Artemision zu schaffen hat. Sie gilt
lediglich dem in Ephesos auch durch die reiche Ortsprägung der Kaiserzeit wie durch zwei
weitere Inschriften belegten Isiscult,4) und nach der Construction des Satzes sind die Personen
der angehängten Liste nicht mit den anfangs genannten Eponymen in Verbindung zu bringen
— vielmehr legen diese lediglich den Act der Weihung zeitlich fest —, sondern müssen
irgendwie in Beziehung zu dem Dedicanten und seinem Votivgeschenke stehen.
Neuerdings hat man in ihnen Officianten des bekannten, mit Eröffnung der Schiff-
fahrt verbundenen Frühjahrsfestes der Isis vermutet,5) wobei unter zahlreicher Assistenz von
Isispriestern ein Schiff geweiht und dem Meere übergeben wurde, das dann wiederum in
das Heiligtum zurückkehrte. Dies wäre jedesfalls rationeller. Indessen werden in den
Beschreibungen jenes Festes und den massenhaft auf den Isiscult bezüglichen Urkunden

selben, die ich Dr Robert Kauer danke, lehrt, daß in der
einen Z. 7 richtig ΓΡ steht (P nämlich mit Γ ligiert), nicht
beidemale TP (,,τ uni au p dans le manuscript“).
7 Th. Smith, De septem Asiae ecclesiarum notitia. Trajecti
ad Rhenum 1694 p. 50.
2) Wood, Skizzenbuch 6114 n. 14 ,from Prytaneion. Fal-
kener „Gym“ of Theatre‘, wie ich aus den Excerpten ersehe,
die R. Heberdey aus dem im British Museum befindlichen
Nachlasse Woods anfertigte.

3) Vgl. Groag in Pauly-Wissowas R.-E. III 2882 n. 368.
Ephim. archaiol. 1897 p. 63.
4) W. Drexler, Der Isiscult in Kleinasien, Numismatische
Zeitschrift XXI 78 ff. — Hicks a. a. O. Dill. Die dritte In-
schrift, eine Weihung an Serapis, Isis und Anubis in helle-
nistischen Charakteren, ist noch unediert.
5) A. Mordtmann, Revue arch. XXXVII 259. G. Lafaye,
Culte des divinites d’Alexandrie 144, der aber daneben
„simplement des marins en voyage“ für denkbar hält.
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