Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 1): Forschungen in Ephesos — 1906

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Handelsstaat, das kluge Rhodos, zu Achtung gebietender Stellung hob. So hat denn die
Stadt wiederholt Belagerungsnöte und Besatzungen zu ertragen; mit allen Schwachen leidet
sie auch unter der ostgriechischen Piraterie, die aus ihren Schlupfwinkeln periodisch mit
den Fangarmen einer Skylla vorbricht, um sich an lebendigem Wohlstand zu vergreifen,
und sie büßt endlich die Freiheit, die das Testament des letzten Attaliden ihr wie den
Schwesterstädten zurückgab,1) offenbar durch ihr Verhalten in den Mithridatischen Kriegen
wieder ein, bedrückt auch durch die sozialen Mißstände, welche die erste Verwaltung der
Römer über die Provinz Asia brachte. Aber intern hebt sie sich in den hellenistischen Jahr-
hunderten. Wie sie für die Könige ein immer begehrterer Besitz war,2) wird sie für die
römische Republik die unentbehrliche Operationsbasis in den östlichen Unternehmungen.
Stärker als je in früherer Zeit zieht sie aus allen Richtungen des Orientes fremde Elemente
an und seit der lateinische Westen seinen bedeutenden Einschlag liefert, ist sie das Gefäß
eines Völkergemisches, das den weltstädtischen Charakter begründet, den sie in christlicher
Zeit erreicht.3)
Von der Errichtung des Principats datiert diese neue Periode, die mit ihrem fast
dreihundertjährigen Frieden fraglos die bürgerlich glücklichste Zeit der ganzen Stadtge-
schichte gewesen ist. Viermal hat Augustus in der Provinz verweilt und meist von Samos
aus ihre Reorganisation geleitet, an der Agrippa als Mitregent beteiligt war. Wie die
Grundzüge der neuen Verwaltung nach dem Vorgang Cäsars auf Augustus zurückgehen,
so empfing auch die vom proconsularischen Statthalter bewohnte Hauptstadt der Provinz
entscheidende Förderungen aus seinen Händen. War ihrem Handel die gleich zu Beginn
des Römerregimentes durchgeführte Erneuerung und Erweiterung der binnenländischen
Straßenzüge zugute gekommen, so fand eine capitale Lebensfrage der Stadt, die Ver-
sorgung der unabsehbar wachsenden Bevölkerung mit Trinkwasser, jetzt ihre Erledigung.
Die alte Marnasleitung wurde ausgebaut (S. 67, 3), Augustus selbst ließ einen neuen Aquäduct
herstellen, der in Länge und Ergiebigkeit der Anlage einen Vergleich mit den stadtrömischen
aushält (S. 68). Wie Alexander griff er dann ordnend in die durch Μ. Antonius sinnlose
Gunst verworrenen Verhältnisse des Artemision ein. Der alte Bereich des Asyls wurde

9 P. Foucart, La formation de la province romaine p. 4 ff.
des Sonderdruckes. Vgl. Chapot, La province romaine d’Asie
116 und B. Niese a. a. Ο. III 367.
2) Polybios XVIII 1 Άντίοχος δ βασιλεύς πάνυ ώρέγετο της
Εφέσου δια την εύκαιρίαν τφ δοκεΐν μεν κατά τής Ιωνίας καί των
έφ’ Ελλησπόντου πόλεων, καί κατά γην καί κατά θ-άλασσαν, άκρο-
πόλεως εχειν ίΐέσιν, κατά δέ τής Ευρώπης άμυντήριον δπάρχειν αεί
τοΐς Ασίας βασιλεύσιν εύκαιρότατον.
3) Aristides XL1I I ρ. 775 ed. Dind. οίμαι δέ και πάντας
δσοι στηλών Ήρακλέους έντδς καί ποταμού Φάσιδος, οίκειουμένους
τήν ”Εφεσον δρθ·ώς άν διανοεΐσΒ-αι, τοΰτο μέν τή των λιμένων κοινότητι,
τούτο δε ταΐς άλλαις άπάσαις υποδοχαΐς. Πάντες γάρ ώς είς πατρίδα

αυτών κομίζονται καί ούδείς άγνώμων οδδ’ οδτως σφόδρα όμόσε τοΐς
φανεροΐς ίων, δστις οΰκ άν συνχωρήσειε ταμιεΐόν τε κοινόν τής Ασίας
είναι τήν πόλιν και τής χρείας καταφυγήν’ ουδέ γε οδτω φιλαίτιος ούδείς
δστις άν μέμψαιτο έκείνης τής πόλεως τούς δρους. πολλή μέν γάρ είς
μεσόγαιαν αεί βαδίζοντι, πολλή δ’ έπ’ αυτής τής θ-αλάττης, πανταχού
δέ Εκανή παρασχεΐν άπαντα δσων δει πόλει, διαίταις άπάσαις άρκέσαι,
δσας άνθρωποι διαιτάσθ·αι δύνανται καί προαιρούνται, καίτοι πώς είκός
τήν μέν χρείαν κοινήν άπασι τήν παρ’ αυτής είναι, τήν δ’ εύνοιαν μή
κοινήν αυτή παρά πάντων ύπάρχειν, καί τό μέν εύθ-ενεΐν τήν πόλιν
πασιν δμοίως διαφέρειν, μή συνεόχεσθ·αι δ’ άπαντας δμοίως τήν πόλιν
εύθ-ενεΐν; κτλ. Bei Seneca epist. XVII 2, 21 ist Ephesos die
volkreichste Stadt des Orients neben Alexandria.
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