Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Hrsg.]; Württembergischer Altertumsverein [Hrsg.]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Hrsg.]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Hrsg.]
Fundberichte aus Schwaben — 5.1897

Seite: 39
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bestimmt auf die Verteidigung hin, dass ich kaum noch einen Zweifel
daran habe, dass das „Steinhäusle“ ein Eeiterlager gewesen sei.
Wenn auch noch manches dunkel bleibt, so wollen wir uns doch
jedenfalls darüber freuen, dass stud. jur. Rau den Reliefstein ent-
deekt hat.

Der römiscke Begrälmisplatz beim Kastell Caunstatt.

Yon E. Kapff.

Wenige hundert Meter nordöstlich vom römischen Kastell „auf
der Staig“ wurden schon gelegentlich der Grabungen an diesem
eine Anzahl römischer Gräber aufgedeckt. Diesen Winter wurde
nun der Begräbnisplatz aniässlich von Erdarbeiten für die HöFER’sche
Ziegelei aufs neue angeschnitten und dabei eine Menge Funde ge-
macht. Die nachstehenden Angaben beruhen zum grossen Teil auf
den Mitteilungen des Verwalters Höschle, der die Erdarbeiten leitete
und den Funden eine sorgfältige Behandlung angedeihen liess, sodann
auf eigenen Untersuchungen mit dem Spaten meinerseits, wobei mir von
seiten der Verwaltung jede wünschenswerte Unterstützung zu teil wurde.

Die Begräbnisse zerfallen in Brand- und Sk elett-Gräber,
aus welch letzteren 4 Schädel gerettet werden konnten. Die Brand-
stellen befanden sich nur circa 40 cm unter der Erdoberfläche, so
dass mehrfach an den aufrechtstehenden Kriigchen der Hals durch
den Pflug glatt abrasirt war. Die Skelette dagegen staken in einer
tieferen Schicht. Die Gräber beider Gattung waren anscheinend
planlos durcheinandergemengt.

Die Brandgräber hoben sich in der Regel durch dunkle Färbung
infolge der Aschenreste deutlich von der umgebenden Erde ab und
waren muldenartig vertieft. Ein Steinsatz war nicht vorhanden.
Die Beigaben befanden sich nicht immer inmitten der Brandschicht,
sondern auch zuweilen neben dieser. Sie bestanden in erster Linie
aus Thonkrügen von der bekannten Form, von denen 30—40 Stück
zum Vorschein kamen, davon über 20 in guter Erhaltung. Während
der Thonkrug die gewöhnlichste Beigabe bildet — bei ganz geringen
Begräbnissen kann auch dieser fehlen —-, ist das Thonlämpchen
schon seltener. In unversehrtem Zustande fand man deren 10,
ausserdem eine kleine Anzahl von Bruchstücken dieser Gattung. Der
Zahl nach folgen die Teller, von denen eines aus Terra sigillata
und ein solches von weissem Thon hervorzuheben sind. Von wei-
teren Gefässformen sind anzuftihren 2 grosse Urnen, die mit Asche
und Beinresten gefüllt waren, und von denen die grössere von licht-
brauner Färbung, die vorzüglich erhalten ist, einen Durchmesser von
28 cm (äusserer Rand) und einen Umfang von 92 cm aufweist. Die
Form des Kumpens oder Bechers haben 2 Terra sigillata-Gefässe
und ein Gefäss aus schwarzem Thon. Ein dunkelfarbiger Napf
enthielt ein Lämpchen, einen Becher und ein weiteres kleines Thon-
gefäss. Ausserdem wurde eine grosse Menge weiterer Scherben
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