Göbel, Heinrich ; Göbel, Heinrich [Editor]
Wandteppiche (II. Teil, Band 1): Die romanischen Länder: Die Wandteppiche und ihre Manufakturen in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal — Leipzig, 1928

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Florenz

knaben" (Abb. 419). Den Entwurf der Bilddarstellung schuf Antonio Bronconi — der
spätere Direktor der Manufaktur, seit 1700 als Patronenmaler verpflichtet —; die Bordüre
— Rankenwerk und Blumen — zeichnete Andrea Scacciati. Die wirktechnische Durch-
führung verrät ein mittelmäßiges Können, gut gelöst ist der Kopf des Christuskindes,
wenig glücklich die Wiedergabe der Hände. Ein urkundlicher Beleg vom 29. Mai
1677 beschäftigt sich mit einer besonders fein durchgeführten Portiere — „lavoro
finissimo" —, die Filippo Fevere vor seiner Übersiedlung nach Venedig in Haute-
lisse-Technik begonnen hat, sie wird von Niccolö Bartoli im Basselisseverfahren zu
Ende geführt. 1(381 werden Bernardino und Angiolo Masi mit verschiedenen Aufträgen
für die gt oßherzogliche Kammer betraut, sie arbeiten in dem alten Atelier der Galleria
des Palazzo Vecchio. Etwas später hat G. B. Termini das „Goldene Zeitalter", zu
dem Atanasio Bimbacci den Karton liefert, auf dem Gezeug. Der Fortgang des Meisters
Ende 1684) bedingt die Fertigstellung in den Basselissewerkstätten durch Stefano
Termini und Bernardino Masi; 1686 ist die Arbeit erledigt (40).

1687 übernehmen Antonio Bartoli und Giuseppe Cavalieri die Durchführung ver-
schiedener Portieren, für- die Alessandro Rosi die Patronen zeichnet. Die Jahre 1688/89
sind mit ähnlichen Aufträgen ausgefüllt. Unter dem 6. Dezember 1691 berichtet der
„Libro Debit.ri e Credit."", die wesentlichste Unterlage zur Beurteilung der medi-
ceischen Manufaktur, von größeren Instandsetzungsarbeiten — es handelt sich vor-
nehmlich um die Stradano'schen Jagden in Poggio a Caiano —, im darauffolgenden
Jahre werden fünf Behänge der Geschichte des Lorenzo il Magnifico einer aus-
giebigen „stoppatura" unterzogen. Matteo Benvenuti bezieht (1693) Seide und Garn
für zwei Supraporten — ßlumenvasen, Arabesken und Chimären —; Andrea Manzi
nimmt drei Gegenstücke in Angriff, in allegorischer Fassung erscheinen «Hoffnung"
und „göttliche Weisheit", in Parallele zu der dritten Supraporte „Johannes der Täufer
in der Wüste". Weniger klar äußern sich die Belege über vier „pezzi di spalliere
con entrovi leoncini" — Behänge mit Figuren junger Löwen —, die Manzi zur
gleichen Zeit in Arbeit hat. Zum mindesten die religiösen Supraporten stellen Be-
standteile einer umfangreichen Folge dar, die aus nicht näher ersichtlichen Gründen
erst nach Termini's Rückkehr zur Vollendung gelangt. Unter dem 4. Juli 1695 ist
von einem Karton Alessandro Rosi's „architettura con nicchia in mezzo nelJa quäle
sta la figura reppresentante la Sapienza Divina" die Rede; 1696 wird ein Entwurf —
gleichfalls von Rosi — erwähnt, der eine allegorische Frauengestalt, in der einen Hand
einen Bogen, in der anderen eine brennende Fackel, als Motiv wählt, 1697 wird
die Supraportenserie durch eine Justitia mit Wage und Schwert (A. Rosi) ergänzt.
Jacopo Bonelli bringt 1697 einen ähnlichen Karton zur Ablieferung — eine Frauen-
gestalt hält in den Händen die Himmelskugel —, Francesco Nani malt 1699 in der
üblichen architektonischen Umrahmung die „Stärke".

Die für den Bildteppich durchaus ungeeignete rein plastische Auffassung wird auf
eine zweite, verwandte Folge, eine Götterserie, übertragen. Jacopo Bonelli liefert
1698 die Kartons. Ceres, auf dem Haupte den Ährenkr anz, in den Händen Hacke
und Fackel, nimmt in einer durch Fruchtkränze und Maskarons bereicherten archi-
tektonischen Nische Aufstellung, in entsprechender Weise erfolgt die Disposition der
Galatea- und Juno-Portieren.

Ter mini tritt 1703 die Herschaft an, die Hautelissetechnik kommt wieder zu Ehren,
zugleich vollzieht sich eine Wandlung in der Art der Entlohnung der Wirker. Bis-
lang wurde nach flämischer Sitte quadratellenweise gezahlt unter' Berücksichtigung
der Arbeitsschwierigkeiten; die Durchbildung der Köpfe erschien z. B. höher im An-
sätze als die Lösung der Gewandteile oder Hintergrundpartien usw. (41). Die auf-
gegebene, von alters her in den Niederlanden geübte Methode war bei einer gut ge-
leiteten, kaufmännisch eingestellten Manufaktur zweifelsohne die bessere.

Termini's Stieben, den Wirker von dem Stücklohn unabhängig zu machen, sein
künstlerisches Gewissen zu schärfen, nur erstklassige Erzeugnisse zu hefern, führte zu
dem Tagessold, der nach dem Können des betreffenden Meisters oder Gesellen ab-

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