Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

ENTWURF U. AUSFÜHRUNG DES RAUMES:
HOF - MÖBELFABRIK A. BEMBE — MAINZ.

Grillroom in dem Palast-Hotel
Breidenbacher Hof—Düsseldorf.

EIN JAHRZEHNT DER ENTWICKLUNG DER INNEN-DEKORATION.

Als im Jahr 1893 die große amerikanische Welt-
L Ausstellung mit ihrer Revue des Besten ausländischer
und einheimischer Künste stattfand, zog es gar manchen
Deutschen ins Land jenseits des großen Wassers, schon
allein der Familienbande halber. Und mit einem Male
sah man Scharen von Leuten aller Stände, insbesondere
Handwerker, aber auch Regierungsräte der Fahrt sich
anschließen. Wie bedeutsam der letztere Umstand war,
kann kaum genug ermessen werden. Er erwies das
Erwachen einer neuen Ära in leitenden Regierungs-
kreisen und allgemein die Tatsache der Bereitstellung
größerer Mittel für Zwecke der Belehrung.

Genau besehen war der Volkswohlstand in Deutsch-
land bedeutend gewachsen. Aber — so wird man
einwerfen: das war auch in den 70 er jähren der Fall,
und dennoch jenes Fiasko an kunstgewerblichen Er-
gebnissen. Wir erwidern: Es war noch etwas anderes
dazu gekommen: der Einfluß der praktischen Kunst
des Auslandes. Dieser war unermeßlich.

Nun kehrten die Handwerker, die Künstler, das
Publikum, alle, auf den Kontinent zurück mit der Er-
kenntnis, daß nicht die Kunst als solche, sondern ihre

enge Anlehnung an die Lebensbedürfnisse eine Haupt-
sache sei. Seit dieser Zeit hat sich charakteristischer-
weise der amerikanische Metall-Hobel bei uns einge-
bürgert und so manches Andere. Deutlich zeigte sich
die Rückkehr zum Sachlichen im Wohnhausbau, und
wir müssen es offen sagen, daß amerikanische und
englische Bauweise uns nun vorbildlich ward. Nichts
hätte uns sonst von dem Wirrwarr der Giebel, Türme,
Spitzen, vom Malerischen oder vom falschen Klassizismus
des Hausbaus erlösen können. Daß die große Ver-
breitung der Literatur und Bildwerke dabei mitgeholfen
hat, ist bekannt. Einsichtsvolle Künstler und Gelehrte
hatten schon die Notwendigkeit der Übereinstimmung
von Zweck, Form und Material gepredigt, — fast
nutzlos. Nun kam die Anschauung zu Hilfe. In der
Fremde sah man das Geforderte verwirklicht. Wieder
einmal beeinflußte das Auswärtige wie suggestiv.

Wie oft ist eine Sache irgendwo latent, aber der
Allgemeinheit unbekannt. Es bedarf nur einer sekun-
dären Ursache, eines Anstoßes, um das Gute hervor-
treten zu lassen. So hier. Mehr noch als alles andere
bewirkte der Nationalaufschwung. Nun erkannte auch
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