Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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XX. JAHRGANG.

DARMSTADT.

AUGUST 1909.

ARCHITEKT PAUL WÜRZLER-KLOPSCH-LEIPZIG.

VON OTTO SCHEFFERS.

Im vorigen Jahre äußerte ich in dieser Zeitschrift,
die dritte deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung,
Dresden 1906, habe im Gegensatz zu vorange-
gangenen Ausstellungen eine so wundervolle Ab-
geklärtheit des künstlerischen Schaffens gezeigt,
daß ein Fortschritt nur noch in einer immer
größeren Verfeinerung des Gefühles für Zweck-
mäßigkeit der Form, für die Wahl der Farbenwerte,
der ornamentalen Motive und der Proportionen
erwartet werden konnte. Inzwischen ist, wenn
auch nicht gerade ein Rückschlag, so doch eine
gewisse Stagnation im Kunstschaffen eingetreten,
weil unter den Künstlern nur wenige imstande
sind, weitere Höhen zu erklimmen. Zu diesen
Wenigen, die trotz bewußter Anlehnung an die
Tradition, dennoch durchaus selbständig schaffen
und sich dabei dem eben angedeuteten höheren Ziele
mit großer Sicherheit Schritt für Schritt nähern, ge-
hört meiner Meinung nach der Leipziger Architekt
Paul Würzler-Klopsch. Die ausgeprägtesten
Merkmale seines Stiles sind größtmögliche An-
passung der Form an den Zweck des Gegenstandes
Und eine vornehm ruhige Stimmung, hauptsächlich
hervorgerufen durch edle Größenverhältnisse,
Schlichtheit der Form, dezente Farbenkontraste

19M- VIII. i.

und Verwendung nur echten, auserlesenen Materials.
Das sogenannte Ornament verwendet er äußerst
sparsam, eigentlich nur da, wo es sich sozusagen
von selbst ergibt, z. B. wo man vor der Wahl
steht, Fourniere so oder so aufzusetzen und die
mehr ornamentale Anordnung weder stört noch
einen nennenswerten Mehraufwand an Zeit und
Geld erfordert. Man vergleiche die Möbel im
Speisezimmer des Dr. Hans Voigt. Ich erblicke
in dieser sparsamen Verwendung von Ornament
an Gegenständen, deren Gesamtform schon zahl-
lose Umwandlungs - Möglichkeiten gestattet, ein
Mittel zur Erzielung stimmungsvoller Ruhe und
mithin einen Fortschritt des Kunstschaffens.
Wenigstens jetzt berührt uns diese Zurückhaltung
äußerst angenehm; vielleicht, daß wir nach einer
längeren Periode puristischen Schaffens anders
empfinden! Wenn ich an dem Kunstschaffen
Würzlers etwas aussetzen darf, so ist es der Um-
stand, daß er ein wenig zu oft mit der Verwendung
von Gitterwerk aus dünnen glatten Stäben koket-
tiert, das ja freilich als Mittel zur Flächengliederung
vorzügliche Dienste leistet und unstreitig auch das
Gefühl des Abgeschlossenseins fördert, aber den-
noch zuweilen gesucht erscheint, das Auge leicht
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