Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

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LLOYD-DAMPFER GEORGE WASHINGTON. KUNSTVERGL ÄSUNG IM RAUCHSALON I. KLASSE. ENTWURF: PROF. BRUNO PAUL.

verlangt eben doch auch
irgendwelche Belebung. —
Der bürgerliche Charakter
einer Wohnung wurzelt nicht
zuletzt darin, daß die pfle-
gende und erhaltende Hand
der Besitzer an ihm dauernd
sichtbaren Ausdruck findet,
denn bürgerliches Mobiliar
erfährt bekanntlich eine sehr
viel stärkere Abnützung als
das der herrschaftlichen Woh-
nung. Was richten nicht
allein Umzüge, und diese
sind doch nun einmal unver-
meidlich, für einen nicht un-
erheblichen Schaden an. Man
denke an scharfe Profile, an
Hochglanzpolituren, an große
Flächen, alles Symbole der
Unnahbarkeit. Mit dem Be-
griff des bürgerlichen Mobiliars
ist das unvereinbar; denn
Schaumöbel, mit denen man
täglichen Verkehr haben soll,
die uns etwas leisten sollen,
sind hier schlechthin undenk-

PROFESSOR BRUNO PAUL. BELEUCHTUNGS-KÖRPEK.

bar. — Auf der einen Seite
müssen wir also anspruchs-
loser werden an das, was
das Mobiliar dem rein äußer-
lichen nach sein soll, auf der
anderen Seite aber auch an-
spruchsvoller an diel Leistungen,
die das Mobiliar für uns ver-
körpern soll. Denken wir
immer daran, daß die Um-
schreibung der bürgerlichen
Verhältnisse nichts einschlie-
ßen darf, was über den Stand
hinausleben hieße; daß unser
Mobiliar nichtauf Marmorwän-
den und Damastgeweben zu
prunken hat, sondern daß es
der Wiederschein dessen bleibt
was unsere Persönlichkeit und
1 .ebensweise mit diesem in Har-
monie bringt. Arbeit um Arbeit,
Schlichtheit um Schlichtheit
und das Geben und Nehmen
der Freude, die aus dem Ge-
genseitigkeits -Verhältnis ent-
springt: »Ich diene, man dient
mir wieder«. otto schulze.
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