Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

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architekt eduard wehner—düsseldorf.

Pfdrtnerhaus der Zementwaren-Industrie 2Cupferdreh\

Kunstschmiede-Arbeiten der Gegenwart.

Iange Jahre, beinahe seit der Barockzeit bis Anfang des
_< neunzehnten Jahrhunderts hat unser Kunstgewerbe
und mit ihm die handwerksmäßige Schmiedekunst dar-
niedergelegen. Sozialer Tiefstand und geringes Allgemein-
Cnipfinden für Handwerkskunst, verhinderten die Aus-
übung der vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert so
Wehenden Kunst im Handwerk. Schmiedearbeiten aus
dieser Zeitperiode in Augsburg, Nürnberg, Frankfurt,
^udwigsburg, Nancy und anderen Orten geben uns ein
beredtes Zeugnis von der Höhe unserer damaligen
Kunstschmiedearbeiten. Eine Reihe künstlerisch und tech-
n'sch meisterhafte Arbeiten sind unserer Zeit erhalten ge-
geben und sind heute noch vorbildlich. Der ausge-
legte Bürgersinn unserer Vorfahren legte Wert darauf,
bürgerlichen Wohlstand schon am Äußern ihrer Wohn-
stätten zu verkörpern und bilden namentlich Türen, Tore,
* enstergitter und Einfahrten in Schmiedeeisen, oder in
teilweiser Eisenausführung, noch heute eine Zierde
der noch bestehenden Patrizierhäuser, ja oft den ein-
igen ornamental-architektonischen Anziehungspunkt der
Fassade. Diese edle Kunst neuzubeleben und als or-
ganisches Supplement in der Architektur wieder zur
Geltung zu bringen versuchte zuerst der sogenannte
Jugendstil und mit ihm am energischsten, einer unserer
Vorkämpfer der modernen Richtung, Henry Van de
Velde. Obwohl nun in diesem Drange nach neuen
formen, gesunde Prinzipien und Motive noch nicht

herausgebildet wurden, die auch nur annähernd unseren
alten Formen gleichkommen, verdient diese Entwick-
lungsperiode dennoch das Verdienst der Wieder-
erweckung alter Schmiedekunst in neuzeitlichem ('.eiste.

Etappenweis vorwärts versuchte man namentlich
in der Architektur dem spröden Eisen wieder seine
frühere Geltung zu verschaffen. Es selbst im Innenraum
bedeutungsvoll zu verwerten, probierte mit mehr oder
weniger Geschick; bereits mehrfach Grenander—Berlin,
der mit an dem Problem arbeitet, Eisen in ästhetische
Formen zu kleiden. Ein großes Gebiet zur Be-
tätigung in Eisen hat sich entfaltet, und schon sind
als Teile im Rahmen der Architektur, wie auch als
Einzelmotive vorzügliche Arbeiten zeitgemäßer Schmiede-
kunst geliefert worden. Auf diesem Gebiet beson-
ders vorbildlich selbständig wirken: Kreis, Grassel,
Messel, Möhring, Behrens, Bruno Paul und namentlich
Letzterer hat mit Geschick gezeigt, wie Eisen (Metall)
im Raum Verwendung finden kann. Um kurz auf die
formale Behandlung und Technik zu kommen, findet
in der Hauptsache Kant- und Rundeisen Verwendung.
Die Formen bewegen sich der Bearbeitung des Eisens
angepaßt, denn nicht undefinirbare Schnörkelei, sondern
aus der Konstruktion entwickelte Linienführung muß die
architektonische Form ergeben. Naturalistische Formen
und Motive müssen nach Möglichkeit vermieden bezw.
dem Material gerecht stilisiert werden. Einfachheit
gepaart mit logischer Formengebung wird bei Eisen
stets die beste Wirkung geben. — arch. chr Schneider.

1909. v. 4.
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