Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT ALFRED AI.THERR—ELBERFELD.

Herrenzimmer in Makassarholz mit Intarsien.
Ausführung: Aug. Schmidt <£• Co.—Elberfeld.

kommen ist, ist sie im wesentlichen eine Schöpfung
des Elberfelder Architekten Alfred Altherr. Sein
Werk ist der Plan und die Organisation des Ganzen,
und von den sechzehn ausgestellten Räumen sind
fünfzehn von seiner Hand entworfen und unter
seiner Leitung ausgeführt worden. Indem auch
die Ausführung selbst, soweit als möglich, ein-
heimischen Werkstätten anvertraut worden ist, hat
auch das Elberfelder Handwerk die Ebenbürtigkeit
seiner technischen Leistungen mit denen auswär-
tiger Werkstätten beweisen können.

Der Inhalt der Ausstellung umfaßt — außer
einem repräsentativ gehaltenen Skizzen- und Modell-
raum — annähernd alle Gattungen bürgerlicher
[nnenräume vom Salon bis zur Küche. Die ein-
zelnen Zimmer ordnen sich zum Teil wieder zu
geschlossenen Gruppen zusammen. Sie sind in
zwei Stockwerken eines vorhandenen Miethauses
in der Weise verteilt worden, daß das untere Stock-
werk reichere Wohnräume, das obere Stockwerk
einfachere bürgerliche Einrichtungen enthält. Die
Widersprüche, die sich zwischen dem gegebenen
Gebäude und den Innenräumen ergaben, sind bei
dem reicher ausgestatteten Teil durch Einbauten
soweit als möglich verdeckt worden, so daß
hier im allgemeinen der Charakter der Eigen-
haus-Wohnung durchgeführt ist. Bei den oberen

Räumen sollte vielmehr gezeigt werden, wie der-
artige Einrichtungen den herkömmlichen Etagen-
wohnungen angepaßt werden können. Hier ist
an dem gegebenen architektonischen Rahmen des-
halb wenig geändert worden.

Die konsequente Durchführung moderner Grund-
sätze in der Betonung des Zweckgedankens, der
Entwicklung der Form aus dem Material und der
Konstruktion bestimmt den Gesamtcharakter der
Ausstellung. Nur ein Raum gehört einer durch-
aus fremdartigen Anschauungswelt an. Es ist das
Zimmer des Bildhauers Bernhard Hoetger, das sich
in Form und Farbe als der absolute Ausdruck sub-
jektiver Künstlerphantasie mit einem stark orien-
talisierenden Anklang bekennt. Immerhin ist der
Raum eine in sich konsequent durchgeführte und
einheitliche Schöpfung und wirkt als Kontrast in
dem Gesamtbild durchaus anregend.

Was den künstlerischen Charakter der von
Alfred Altherr selbst entworfenen Einrichtungen
betrifft, so äußert sich eine stark persönliche Note
namentlich in der Ausbildung des dekorativen
Details. In der Entwicklung ornamentaler Ge-
danken aus Material, Konstruktion und Zweck —
z. B. den Luftöffnungen der Heizkörper-Verklei-
dungen, dem Tragegerüst der Lampen, den Kon-
struktionsteilen der Möbel — zeigt er einen Ideen-
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