Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INN EN-DEKORATION

ARCHITEKT
ALFRED ALTHERR
ELBERFELD.

SALON-SESSEL IN

GILLET-HOLZ.
POLSTER-SESSEL
IN MAKASSAR.

äul den Kommis, den Jüngling hinterm Ladentisch, und
den Mann im Zylinder geschimpft; aber wir haben wenig
Anstrengungen gemacht, ihn uns und damit der Kultur-
partei zu gewinnen. Ks gilt, den Verkäufer, den
Acquisiteur aufzuklären und zu erziehen. Er ist es,
der an das Publikum herankommt in dem wichtigen
Augenblick, da es am empfänglichsten ist. — Der
landläufige Verkäufer und der
typische Acquisiteur sind wenig
erfreuliche Erscheinungen. Wir
wollen gewiß keinem dünnen
Idealismus, noch einer puri-
tanischen Utopie das Wort
reden-, wir wissen, daß die
Basis aller Handelstätigkeit,
aller Produktion, aller mensch-
lichen Leistung überhaupt, die
Rentabilität, der Verdienst, ist.
Wir werden also sicherlich
dem Verkäufer nicht seine Ab-
sicht, verdienen zu wollen,
ankreiden; wenn er Prozente
vom Umsatz bekommt, soll
er durchaus danach streben,
ihn so hoch als möglich zu
treiben. Aber, darüber darf
doch nie vergessen werden,
daß kein Bürger das Recht
hat, nur für sich zu sorgen,
daß es auch nicht wahr ist,
wenn die Manchesterleute be-
haupten: der Profit des ein-
zelnen nutze im jeden Eall der
völkischen Gesamtheit. Das
ist nicht wahr; es gibt für
den einzelnen einen Profit, der

A. ALTHERR. POLSTERSTUHL MIT HANDVERGOLDUNG

als Posten innerhalb kder nationalen Handelsbilanz
negativ wirkt. Es kommt nicht nur darauf an, zu ver-
dienen ; sondern darauf, daß mit jeder hinzu kommenden
Summe auch eine Manifestation untadeliger Gesinnung,
eine Mehrung der eigenen Leistungsfähigkeit vor sich
gehe. Gewiß also, der Verkäufer soll verdienen, er
soll aber keinen Raubbau treiben. Er soll nicht auf
die Dummheit und die schlech-
ten Instinkte des Publikums
spekulieren, er soll kein Roß-
täuscher sein. Er soll sich
nicht zum Lakaien ernied-
rigen, soll sich nicht vor allen
törichten und banalen Wün-
schen des Käufers prostitu-
ieren. Er soll Rückgrat haben
und sich nicht damit entschul-
digen, daß das Publikum nun
einmal seinen Willen haben
müsse oder an eine andere
minder hartnäckige Quelle
ginge. Publikum ist gewiß ein
Molusk und in seine eigene
Dummheit verliebt; Publikum
wird aber nicht minder gewiß
sich besinnen, wenn es einmal
an einen ganzen und steilen
Mann gerät. Der Verkäufer
kann getrost sein, zeige er sich
nur als einer, der wirklich eine
Persönlichkeit ist und nicht nur
ein Handelsmann und Prozente-
jäger. Jeder gerissene Verkäufer
weiß, daß es keinen besseren
Trick gibt, einen Käufer ein-
zufangen, als wenn möglichste
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