Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

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diese von markanter Eigenart, so wird sie sich natürlich
auch zeigen, nicht so sehr vielleicht in den Räumen,
die allgemeinerer Geselligkeit dienen, als in den Stuben,
wo er sein eigenes Leben lebt, wo er der Arbeit und
der Ruhe pflegt. Und da kann nun seine Souveränität
ziemlich weit gehen, und es wäre eine recht beschränkte
Ästhetik, die sogleich ein gebieterisches: Halt! ausrufen
würde. Zweck des Heims ist ja vollendete Wohnlich-
keit, nicht ruhige Harmonie eines vollendeten Kunst-
werks. Und vollendete Wohnlichkeit wird für jede
stärkere Persönlichkeit etwas anderes bedeuten. Der

eine wird nur möglichste Zweckmäßigkeit anstreben;
ein anderer wieder fühlt sich in einer Luft wohler, die
mit Schönheit gesättigt ist; und wieder ein anderer
— erlebt sein Heim : d. h. er sammelt schöne Dinge
und stellt sie zusammen; und ihre Gesamtheit bedeutet
für ihn eine Kette wertvollen Erlebens, eine Reihe köst-
licher Erinnerungen, eine Folge bunter Bilder, die sein
Gharakter zur Einheit zusammenfaßt. Er wird sich
vielleicht nicht scheuen neben englische Messingbetten
alte wuchtige Schränke zu stellen, und die lauten
Farbenfanfaren eines modernen Bildes in einen Raum

ARCH. PAUL WÜRZLER-KLOPSCH. SCHREIBTISCH UND SESSEL AUS DEM DAMEN-ZIMMER. BEZÜGE S1LBERORAU SEIDE.
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