Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

RAUM-AKUSTIK UND INNEN-KUNST.

Zur Erörterung der Frage, was sich aus den physi-
kalischen Anforderungen an die »Akustik« oder
»Horsamkeit« eines Raumes für seine künstlerische Be-
handlung ergibt, gestattet unser beschränkter Platz kein
Eingehen au( jene physikalischen Grundlagen. Für unsere
Zwecke läßt sich das vom Verfasser und von sonstigen
Autoren darüber anderswo Gesagte folgendermaßen
kurz zusammenfassen und ergänzen:

Entscheidend sind die Reflexe des Schalles.
Kommen sie von einer naheliegenden Wand, so ver-
stärken sie ihn; kommen sie von einer fernliegenden
Wand, so stören sie den folgenden Schall. Dort werden
wir sie durch glatte Flächen begünstigen, hier werden
wir sie durch gerauhte vermindern. Dort können wir
Zentralbau und Wölbung begünstigen, hier nicht. Danach
behandeln wir kleinere Räume bis etwa 9 m Dimension,
zu denen auch die Vortragsnischen größerer Räume
gerechnet werden können, anders als diese selbst, speziell
als ihren Hörerteil, als den Publikumsraum. Kurz: wir
können so Kleinraum und Großraum unterscheiden. —
Beide sind aber auch wiederum von ihrer Bestimmung
abhängig. Zweierlei kommt hier in Betracht: die ver-
schiedene Stärke und die verschiedene Schnelligkeit der
Schalle, die zu Gehör gebracht werden sollen. Bei

größerer Stärke und Schnelligkeit ist im allgemeinen
auch ein größerer Kampf gegen die Reflexe nötig, als
bei geringerer. Wie danach ein Großraum für Zwecke
des Konzertes, Theaters usw. zu variieren ist, inter-
essiert uns hier weniger, als die Verschiedenheiten eines
Kleinraumes. Daß er als Kinderzimmer, vielleicht auch
als Verhandlungsraum für aufgeregte Debattierer, so
reflexfrei wie möglich sein soll, liegt auf der Hand.
Reflexreicher kann er für das ruhigere und besonders
für das getragene, rezitatorische Sprechen, also kurz für
»Vorträge« sein; am reflexreichsten für Musik, zumal
wenn eine zarte Stimme zur vollen Geltung gelangen
soll. Dazu kommt noch, daß glattere, d. i. reflex-
reichere Flächen besser zur Helligkeit stimmen, dagegen
rauhere, d. i. reflexärmere Flächen besser zu Dunkelheit.
Der moderne Übergang von der dunklen zur hellen
Stube stimmt mit der gegenwärtigen Verdrängung des
räumlichen Ornamentes durch Flächen Ornament oder
durch ornamentarme Flächen überein und begünstigt
so die Reflexe, was für Kleinräume (einschließlich Vor-
tragsnischen) allerdings wohl häufig von Vorteil, sonst
aber, zumal für den Auditoriumsraum, von Nachteil ist. —
Nun haben wir weiterhin zweierlei zu unterscheiden:
den Bau eines Saales und seine Ausstattung. Was
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