Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Furtwängler, Erwerbungen cler Königl. Museen zu Berlin 1885.

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Zwei vorziigliche Schauspieler, stehend und declamierend. Ähnlich Froehner,
terres c. d’Asie de la coll. Greau pl. 27.

Eine Frau mit einem Kinde, welches sie liebkost. Diese Gruppe, sowie eine
Mädchenstatuette (Inv. 7946 und 7963) sind gute Beispiele für die Nachahmung des
tanagräischen Stiles in Myrina.

Mehrere schwebende geflügelte Jünglinge, z. T. mit bacchischen Attributen.

Eros auf einer Kline sitzend, die Leier spielend.

Eros im Kampf mit einem Löwen.

Eros auf einem von Böcken im Galopp gezogenen Wagen.

Ein Sklave (?) in zottigem Gewand mit kahlem Kopf, doch hinten lang
herabfallendem Schopf.

Endlich auch Vertreter der in Myrina so sehr häufigen klagenden Sirenen
und verhüllten Flügelfiguren. -

II. Bronzen.

Die in Sparta gefundene Aphrodite mit der Bliite aus der Sammlung
Greau; s. Fröhner, bronzes de la coll. Greau No. 336, p. 71. Ein Prachtstück der
archaischen Kunst. Es stammt von einem Gerät, vielleicht einem Thymiaterion.

Der aus derselben Sammlung stammende und ebenda pl. XX No. 913 abgebil-
dete Apollo; eine sehr schön ausgeführte Figur; besonders ist der Rücken bewunderns-
wert. Die zwiefache Durchbohrung der linken Hand kann nur zur Einfügung von Bogen
und Pfeil gedient haben; dann kann man in der Rechten wol nur ein Lorberbiischel
ergänzen. Die Figur geht sichtlich auf dasselbe Original zurtick wie die schöne Bronze
der Sammlung Sabouroff (Taf. VIII—XI) und bestätigt meine Deutung derselben.

Ein Paar archaischer Acheloosköpfe und ein Paar sehr altertümlicher weibli-
cherKöpfe, beide vonEimern stammend, italisch-griechisch. Aus der SammlungGreau.

Ebendaher stammt ein merkwürdiges Stück, der Griff-Ansatz eines grofsen
Geräts (Länge 0,18), das etwa die Form einer tiefen Pfanne mit langem Griff hatte.
Das Ende des letzteren, eine geriefelte Röhre, in welche der wol hölzerne Griff
gesteckt wurde, ist mit dem Ansatze an das Gefäfs verbunden, auf dessen oberem
Rande ein nach dem Innern blickender Kopf eines jugendlichen P a n mit kurzen
Hörnern und erregtem Ausdruck zwischen zwei stilisierten Bliiten angebracht ist.
Das Motiv erinnert an altertümliche Gerätverzierung; doch gehört der Stil der
späteren Zeit an.

Ferner konnten erst in diesem Jahre noch zwei zu der Sammlung Sabouroff
gehörige Stücke erworben werden, nämlich der wundervolle Ganymedspiegel
(Sammlung Sabouroff Taf. 148) und das durchbrochene Bronzerelief des Herakles
mit dem Löwen (ebenda Taf. 147).

Als in Lokris gefunden wurde eine kleine Kanne erworben (Inv. 7931) mit
einem zierlich gearbeiteten altertümlichen Silenskopf am Henkel. Vgl. indefs über
diese Kanne, deren Körper und Henkel nicht zusammengehören, meine Bemerkung
in »Sammlung Sabouroff«, zu Taf. 149.

Aus Beirut stammt ein halbmondförmiger Stempel mit einem Griffe und
der in erhabenen Buchstaben ausgeführten Inschrift: -KAPnOl

III. Gemmen.

Ein vorzüglicher etruskischer Scarabäus aus Orvieto von sehr altem Stile.
Knieender Mann, der sich einen Pfeil aus dem Schenkel zieht (Tityos?).

Ein halbiertes Octogon aus durchsichtigem hellgrünlichem Glas, der Länge
nach durchbohrt (0,028 lang). Auf der geraden, nicht kantigen Fläche ist ein weib-
licher Kopf von schönem Typus vertieft eingearbeitet; Ohrringe; Haare empor-
genommen. Aus Vulci. Wol aus dem 4.—3. Jahrhundert v. Chr.

A. Furtwängler.
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