Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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WAGENLENKER

BRONZE IN TÜBINGEN.

(Tafel 9.)

Das auf Tafel 9 abgebildete kleine Werk ist den Freunden
der alten Kunst zwar seit lange wohlbekanntdoch schien der
Umstand, dafs die bisherigen Abbildungen heutigen Ansprüchen
nicht genügen können2, ferner seine Wichtigkeit in kunstgeschicht-
licher Hinsicht und die Eigenart der Darstellung eine neue Ver-
öffentlichung zu rechtfertigen.

Die Bronze gelangte durch die letztwillige Schenkung eines Herrn Tux3 mit
dessen Münzsammlung, anderen alten Kunstsachen und darauf bezüglichen Papieren
im Jahre 1798 in den Besitz der Universität Tiibingen und wurde der Universitäts-

9 Vgl. besonders die vortrefflicbe Abhandlung von
Karl Grtineisen, die altgriechisclie Bronze des
Tux’schen Kabinet’s in Tübingen, in Schorn’s
Kunstblatt 1835, S. 21 (auclr als besondere Schrift
erschienen, Stuttgart und Ttibingen 1835, 80 S.
kl. 8°. Nach dieser Sonderausgabe citiere ich);
dazu deren Beurteilung von (Adolf) S(chöll) in
F. Kugler’s Museum 3 (1835), 268. Gegen Schöll
wendet sich die Antikritik F. Kugler’s in seinem
Museum 3, 315 (= dessen Kleine Schriften 1, 405).
— Chr. Walz (das Münz- und Antikenkabinet
der Universität Tübingen) in den Jahrbb. des Ver-
eins von Altertumsfreunden im Rheinlande 10
(1847), 71. F. G. Welcker, Alte Denkm. 2, 181.

2) Die beste Abbildung war bisher imrner noch die
erste, eine Lithographie naclr einer Zeichnung
Karl Müller’s, welche der Abhandlung Grüneisen’s
im Kunstblatt beigegeben ist. Für deren Son-
derausgabe (s. Anm. 1) wurde die Zeichnung vom
ersten Stein auf einen zweiten tibertragen, wo-
durch sie nicht unerheblich gelitten hat. Danach
andere Abbildungen in Gulrl-Caspar’s Denkm. der
Kunst 1, B Taf. V, 15 und in Overbeck’s Gesch.
d. gr. Plastik i3, 188 (Fig. 34, 7); Abbildung naclr
clem Gips in Baumeister’s Denkmälern des klassi-
schen Altertums 1, 338. Fig. 355. — Die Bronze
ist vielfach in Abgüssen verbreitet: die vorletzte
Form nahm i876derseitdemverstorbeneModelleur
Sigwart in Stuttgart (s. Verhandlungen der Ttibinger
Jahrbucli des archäologischen Instituts I.

Philologen-Versammlung, Lpz. 1877, S. 153). Seit
kurzem sind in der Gipsgiefserei der K. Museen in
Berlin neue wohlgelungene Abgüsse zu haben.

3) Karl Sigmund Tux war in Oels in Schlesien um das
J. 1714 geboren: in einern Briefe vom 28. Dez.
1791 sagt er ‘da ich bei meinem 77sten Lebens-
jahre kein schicklicheres Vergnügen finde als mit
Antiquitäten umzugehn’. Er starb als Herzoglich
Wiirttembergischer Regierungsrat und Lehen- und
Wechsel-Gerichts-Secretarius am 29. Jan. 1798
in Stuttgart. Von seinem Vater Friedricli Tux,
Wtirtt. Oelsischem Regierungsrat, der ein eifriger
Mtinzsammler war, hatte er cliese Neigung zu-
gleich mit der väterlichen Sammlung geerbt. Die
Münzen standen für ihn in erster Linie: erst in
zweiter Reihe andere »Antiquitäten«. Im J. 1791
veröffentlichte Tux ohne seinen Namen als Probe
seiner Münzstudien : Tentamen catalogi nniversalis
numorum Dyrrachmorum et Apolloniatum, Tu-
bingae opera Schrammii. Die Tux’sche Mtinz-
sammlung war eine Stuttgarter Merkwürdigkeit:
ani 25. Mai 1761 besuchte sie z. B. Martin Gerbert
(später gefürsteter Abt zu St. Blasien im Schwarz-
walcl) auf einer wissenschaftlichen Reise durch
Sliddeutschland uncl lobt sie höchlich in seiner
darüber erschienenen Beschreibung; vgl. dessen
iter alamannicum, St. Blasii 17651 P- 319 (2i773>
P- 33i)-

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