Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Engelmann, Harpyie.

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aeipm (X 367 und 399). Der Umstand, dafs Achill unbärtig, Patroklos bärtig dar-
gestellt ist, erklärt sich, abgesehen von dem in der ganzen Darstellung streng durch-
geführten Wechsel zwischen Bartlosigkeit und Bärtigkeit, aus den Worten des Dichters,
der den Nestor zu Patroklos sagen läfst:

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-rrpsaßutspoc os ou soot. (/\ 786. 787.)

Wir glauben damit für die Darstellungen unseres Sarkophags eine einheit-
liche Erklärung begründet zu haben: der Künstler wollte die Beendigung von
Achilleus’ Grolle so erzählen, dafs er ausgewählte Scenen aneinanderreiht; er erinnert
darin gewissermafsen an die Verfertiger der Tabulae Iliacae.

Berlin, Juni 1886. Johannes N. A. Svoronos.

MISC ELLE N.

HARPYIE.

Dafs die Plarpyien, so wie sie Plomer kennt, etwas Rofsähnliches an sich
gehabt haben miissen, da eine von ihnen: lloSap'p] ßooxop.sv/j Xsi|xtovt. Tvapa poov ’QxsavoTo
von Zephyros Mutter der beiden Rosse des Achilleus wird, kann man Milchhöfer
(Anfänge der Kunst S. 57. 244) zugeben; auf uns sind jedoch derartige Bildungen
nicht gelangt oder wenigstens nicht mit Sicherheit zu erkennen. Wo uns bestimmt
Harpyien entgegentreten, im Abenteuer des Phineus, da sind es regelmäfsig Frauen-
gestalten, die mit zwei oder vier Schulterfliigeln und Flügeln an den Fiifsen ver-
sehen sind (vergl. Furtwängler, Arch. Zeitg. 1882 S. 203); als solche sind sie auch
sicher bei Aeschylus Eum. 50 gedacht. Doch diirfte Furtwängler wohl zu weit
gehen, wenn er bei jeder von der menschlichen Gestalt abweichenden Bildung, so
namentlich bei den bekannten Figuren am Grabmal aus Xanthos von der Benennung
Harpyien absehen zu müssen glaubt. Zunächst sind sichere Stellen yorhanden, wo
von einer Mischbildung aus Frau und Vogel die Rede ist (vielleicht schon bei Pei-
sandros Schol. Apoll. Rhod. 2,1089, der sie opvifte? nennt; sicher bei Hygin. f. 14,
Lykophr. Alex. 6pj Schol.); auch in der vatikanischen Handschrift des Vergil (Bartoli
Pict. ant. Verg., 1782, Taf. 63) werden sie als Vögel mit Frauenkopf und menschlichen
Armen abgebildet, so dafs man die Möglichkeit, dafs mit solchen Mischbildungen
von den Künstlern Harpyien gemeint wurden, nicht ablehnen kann, um so weniger,
wenn, wie in Xanthos, der Charakter der Todesgottheit deutlich ist. Zu den mit
einiger Wahrscheinlichkeit als Harpyien zu bezeichnenden Figuren tritt ein zwar
nicht neues, aber doch erst neuerdings ans Ficht gezogenes höchst interessantes
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