Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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ÜBER DIE BILDNISSE DES PLATON.

(Tafel 6. 7.)

Die aufTafelö, 1 wiedergegebene Porträtherme befand sich vormals in der
Sammlung des Herrn Alessandro Castellani und wurde bei der Versteigerung der-
selben von dem Grafen Michael Tyskiewicz erworben und später dem Berliner
Museum zum Geschenk gemacht1. Sie scheint nach der Ausführung wie nach den
Buchstabenformen der auf dem Schafte angebrachten Inschrift TTAAT00N zur Zeit der
Antonine gearbeitet. Die Behandlung des Fleisches ist, obwohl sie noch den
Reflex eines guten Originals erkennen läfst, trocken und gefühllos; die Augensterne
sind in harter Weise mit dem Meifsel eingearbeitet. Künstlerisch oline Bedeutung, hat
diese Herme einen hervorragenden wissenschaftlichen Werth wegen ihrer Inschrift,
deren Authenticität keinen Zweifel zuläfst. Sie bietet uns das erste sicher beglau-
bigte Bildnis des Plato2 und setzt uns in den Stand eine Reihe von entsprechenden
Porträts, die sich in verschiedenen Sammlungen befinden, auf dieselbe Persönlichkeit
zu beziehen. Es gilt dies für folgende Exemplare:

1) Kopf im Büstenzimmer des capitolinischen Museums n. 58, sehr schlecht
publicirt bei Bottari Musemn capitolinum I 67. Ergänzt: der gröfste Theil der
Nase, der Hermenschaft und die darauf liegende Spitze des Bartes. Die Aus-
führung ist etwas besser als an dem Berliner Exemplare; doch sind auch hier die
Augensterne hart mit dem Meifsel eingearbeitet.

2) Kopf in dem unter der Villa Borghese befindlichen Magazine (in der
»stanza dei busti« unmittelbar unter dem Fenster). Die Ausführung erscheint dem
des Berliner Exemplares nahe verwandt. Bidl. delP Inst. 1884 p. 176.

3) Kopf im Erdgeschosse des Casino di Pirro Ligorio, publicirt auf unserer
Tafel 7. Er bildete mit einem Porträt des Sokrates eine Doppelherme, deren Köpfe aus-
einander gesägt worden sind. Der Kopf des Sokrates ist gegenwärtig als Gegenstück
zu dem des Plato an der gegenüberliegenden Wand aufgestellt (Beschreibung Roms II, 1
p. 391). Da die antike Oberfläche in Folge der Reinigung durch eine scharfe Säure
starlc angegriffen ist, so läfst sich der Charakter der Ausführung schwer beurtheilen;
doch weisen auch hier die hart eingearbeiteten Augensterne frühestens auf die
Epoche der Antonine hin. Das Gleiche gilt für n. 4 und 5.

’) Catalogue Al. Castellani (Paris 1884) p. 132 n.
1086; Verzeichnis der antiken Skulpturen des
Berliner Museums (Berlin 1885) p. 61 n. 300.

2) Die bisherigen Versuche, Porträts des Plato nach-
zuweisen, sind von Heydemann in der Jenaer
Literaturzeitung III (1876)^.477—479 widerlegt.
Jahrbuch des archäologisclien Iustituts I.

Die im Jahre 1846 in der sogenannten Villa des
Cassius bei Tivoli gefundene Henne, auf deren
Schaft der Narne des Plato und zwei platonische
Sentenzen angebracht sind (C. I. G. 6103;
Jenaer Literaturzeitung III p. 479), habe ich in
den Magazinen des Vatikans vergeblich gesucht.

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