Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Milchhoefer, Südmetopen des Parthenon.

httmeros<i. Doch ist auch der neapolitanische Krieger von rechts nach links oder
wenn man will von hinten nach vorn durchbohrt worden, denn sonst müfste man
annehmen, dafs der Stofs von unten nach oben — hinten ist die Wunde höher —
geführt worden sei, was doch schwer möglich ist; auch ist der Mann auf seine linke
Seite gestiirzt. Da die Richtung des Stofses von oben nach unten geht, die Wunde
am Rücken auch etwas hoch ist, einer geschwungenen oder geworfenen Lanze aber
die Kraft gemangelt hätte, an dieser Stelle den Körper zu durchdringen, so miissen
wir voraussetzen, dafs der Stofs von einem Reiter herriihrt. Unter den Gegnern
der Gallier — und dies waren bekanntlich die Pergamener — waren also Krieger
sowohl zu Pferde als zu Fufs, wie z. B. auch die kämpfenden Amazonen auf den
Kunstwerken nur zum Theil beritten erscheinen.

Zuletzt möchte ich noch auf eine Figur hinweisen, die, wie ich glaube, in
ihrer Anordnung mit dem sterbenden Krieger in Neapel mehr tibereinstimmt als
der sogenannte capitolinische Fechter, der bis jetzt immer zum Vergleich hinzuge-
zogen worden ist: ich meine den zu Füfsen Apollo’s hingestreckten jungen Giganten
aus Pergamon9. Der Gigant ist nach derselben Seite, wie der sterbende Krieger
gewendet, während die capitolinische Statue die entgegengesetzte Richtung einhält;
die rechte Hand der pergamenischen Figur, wie man es noch deutlich an den
Spuren des Armes sieht, berührte den Boden, wie die neapolitanische; die capito-
linische stiitzte dagegen ihre linke ITand auf den rechten Oberschenkel. Die unwe-
sentlichen Abweichungen in der Anordnung des pergamenischen Giganten und des nea-
politanischen Galliers werden wohl zumeist auf die Verschiedenheit der Anforderung,
welche ein Relief und ein Rundwerk an den Kiinstler stellt, zurückzufiihren sein.

Petersburg. W. Malmberg.

DIE MITTLEREN SÜDMETOPEN DES PARTILENON.

Dafs die acht mittleren Siidmetopen am Parthenon (Michaelis, Parthenon
Taf. 3 no. XIII—XX) nicht in den Zusammenhang des Kentaurenkampfes gehöreip
welcher die 24 (je 12) rechts und links anschliefsenden Relieftafeln einnimmt, be-
darf heute keines Beweises mehr (vgl. Petersen, die Kunst des Pheidias, S. 227 fg’.)1.

Auf eine Erklärung der uns fast nur in Carrey’s Zeichnungen erhaltenen
Mittelbilder hat man heute so ziemlich verzichtet. Eine Kritik der älteren Versuche

(von O. Mtiller, Bröndsted u. s. w.) erscheint überfliissig2.

9) Beschr. d. perg. Bildwerke S. 9.

:) Die Zugehörigkeit von Met. XXI zu letzterem
haben Michaelis a. a. O. S. 135 und Petersen
a. a. O. 219 fg. erwiesen. O. Rofsbach’s Ver-
such, clie Synnnetrie wieder aufzulieben, indem
er Met. XIII gleichfalls zur Kentauromachie zieht
(Archäol. Zeitung 1884 S. 57 fg.), wird hinfällig,
wenn sich die nachstehende Deutung bewährt.

2) Petersen, a. a. O. S. 228 sagt, » dafs nur dann
eine gewisse Sicherheit der Erklärung zu koffen
wäre, wenn alle oder doch mehrere Metopen als
zusammengehörig erwiesen würden. — — Aber
eine Erklärung habe ich nicht«. Nach Over-
beck, Gesch. d. Plastikl3 S. 316 hat für diese
Reliefs »keine auclr nur einigermafsen wahr-
scheinliche Erklärung gefunden werden können «.
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