Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Wolters, Mitteilungen aus dem Britrish Museum.

Cesnola Cyprns S. 77), welche gleichfalls für älter zu halten ist als die Silberschalen.
Der Hauptwerth unserer Vase besteht darin, dafs sie neben dieser Schale eines
der wenigen Beispiele für eine früh-phönikische Kunstübung bietet, welche wenigstens
stilistisch noch verhältnismäfsig selbständig ist. Je geringer die technische Fertigkeit
ist, desto mehr verräth sich der Charakter des Volkes in den Kunsterzeugnissen.
Eine Richtung auf das Derbe, Charakteristische tritt bei den wenigen Erzeugnissen
früh-phönikischer Kunst auf Cypern in ähnlicher Weise liervor wie bei den etruski-
schen Kunstwerken, soweit sie im Stil selbständig sind.

Levkosia, Februar 1886.

Max Ohnefalsch-Richter.

MITTEILUNGEN AUS DEM BRITISIT MUSEUM.

111.

ARCHAISCHE RELIEFS AUS XANTHOS.

Unter den durch Fellows 111’s Brittische Museum gelangten altertümlichen
Skulpturen aus Lykien sincl nächst dem Harpyienmonument vielleicht die bedeutend-
sten sieben Kalksteinplatten, welche auf der Akropolis von Xanthos zugleich mit
anderen Reliefs in eine Mauer späterer Zeit verbaut gefunden wurden; vgl. Fellows,
A journal written cLuring an exmrsion in Asia Minor S. 233. Eine vollständige und
genügende Abbildung giebt nur Prachov, Antiquissima monumenta Xanthiaca Taf. 1,
2. 3. 6B, h\ eine Skizze findet sich bei Cesnola, Cyprus Taf. 16 (in der deutschen
Bearbeitung Taf. 46) und danach bei Murray, A history of greek sadpture I Taf. 6
S. 122, der auch (Taf. 4. 5) zwei Proben gröfser und besser abbildet. Vgl. sonst
noch aufser cler zu N. 131 —135 der Berliner Gipsabgtisse angeführten Litteratur
Benndorf, Reisen in Lykien und Karien S. 86.

So viel ich weifs, hat man allgemein diese Reliefs als zusammengehörig
und von einem Bauwerke stammend angesehen. Von dieser Annahme, welche
durch die Fundumstände nicht genügend gesichert wird, ist nur Prachov abgewichen,
wie sich schon aus cler Anordnung seiner Abbildungen schiiefsen läfst, und eine
kurze Bemerkung zu Taf. 1, 2 [yin Museo Britannico hoc fragmentum falso conjunctum
est cum alio zophoro, qui delineatus estFol. III, a, b, c, d«) beweist. Eine Darlegung der
Griinde, welche in der That zwingen, hier clie Reste dreier verschiedener Werke
anzunehmen, wird trotzdem wol nicht ganz tiberfltissig sein, cla die genauere Erör-
terung, clie Prachov in seinem russisch abgefafsten Text gegeben haben wird,
wie mir so den Meisten unbekannt bleiben mufs. Die beistehenden Skizzen, die
nach Prachov’s Abbildungen, unter Benutzung meiner Notizen, absichtlich schematisch
gezeichnet sind, werden clie technischen Eigentümlichkeiten veranschaulichen.
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