Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Furtwängler, Zum betenden Knaben. 21 7

Auch hier sehen wir erst den Anfang des tragischen Geschicks. Die Kinder,
drei Knaben und drei Mädchen, sind in eiliger Flucht zu den Seiten der Götter
dargestellt. Einem der Söhne ist die Lyra entfallen. Diese Figur (Taf. III, a, links)
wiederholt abermals, nur von der Riickseite gesehen, das Motiv des Jünglings r.
auf Metope XVI. Der Knabe auf Taf. III, b, zur Linken, ist demjenigen auf Met. XIV
nahe verwandt. Für die Mädchen des Vasenbildes vgl. namentlich Met. XVIII.

Was schliefslich die Zahl der Niobiden anlangt, so wird man auf Überein-
stimmung derselben mit literarischen Angaben schwerlich mehr dringen wollen. Es
mag Zufall sein, dafs die bei den attischen Dichtern des fiinften Jahrhunderts be-
zeugte Anzahl von vierzehn Kindern (Stark, Niobe S. 95) hier thatsächlich vertreten
ist; allerdings 9 Töchter und 5 Söhne. Ich bezweifle kaum, dafs der Kiinstler die
weiblichen Gestalten aus Gründen der Raumfüllung bevorzugt hat.

A. Milchhoefer.

ZUM BETENDEN KNABEN.

Die nebenstehend etwas vergröfsert abgebildete Gemme gehörte
zur Sammlung des Barons von Stosch und ist von Winckelmann in seiner
description des pierres gravees du feu Baron de Stosch, Florence 1760,
p. 316, no. 9 mit folgenden Worten beschrieben: »Cornaline. Promethee
debout attache au rochere.. Tölken hat in seinem Verzeichnifs der an-
tiken vertieft geschnittenen Steine der kgl. Gemmensammlung, 1835,
Vorrede p. XX gezeigt, dafs Winckelmann seine Beschreibung der Stoschischen
Sammlung nur nach den Abdrücken, nicht nach den Originalen angefertigt hat.
Dies giebt die Erklärung für jene seltsame Deutung Winckelmann’s. Was man am
Originale sofort sieht, dafs der Stein um den unteren Theil der Figur herum
ebenso wie an zwei kleinen Stellen des Randes gewaltsam verletzt ist, so dafs hier
Stückchen ausgesprungen sind, das ist im Abdruck weniger deutlich, ja man kann
hier leicjit jene zerstörte Partie an den Beinen als die Andeutung eines Felsens mifs-
verstehen. Töllcen, der sich sonst gerne seiner Verdienste gegentiber, Winckel-
mann rühmt (vgl. Vorrede p. XIV), fällt doch hier eine gröfsere Schuld zu als
letzterem; denn obwohl er das Original des Steines vor Augen hatte und es seiner
Schönheit wegen mit Recht unter die Auswahl der öffentlich aufgestellten Stiicke
aufgenommen hat, so beschreibt er dasselbe doch folgendermafsen: »Karneol. Pro-
metheus angeschmiedet am Kaukasus« (Cl. III No. 42, S. 91).

lich aber auch zeitlich wird diese Darstellung
nun wohl auch für älter gelten dürfen als die
abgekürzte und meinem Geftihl nach rohe Nio-
bidentödtung auf dem Krater von Orvieto

(Mon. XI, Taf. 40). Robert (Ännal. LII, S. 287)
nennt clie Kylix freilich » certamente un poco piu
recente«; Heydemann (S. 214) setzt sie, sicher-
lich viel zu spät, in die Zeit kurz vor Alexander.
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