Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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SCENEN AUS DER ILIAS
AUF EINEM ETRUSKISCHEN SARKOPHAGE.

Ein in Corneto im Jahre 1875 gefundener Sarkophag, den Herr G. Körte
Monumenti delV Istituto XI Tav. 58 und Annali 1883 Tav. T. V (p. 243) veröffent-
licht hat, ist auf seinen vier Seiten mit Reliefs geschmückt. Die eine der Lang-
seiten — ihre Abbildung ist umstehend verkleinert wiederholt — stellt einen Ama-
zonenkampf dar, die beiden Schmalseiten je einen Krieger, der ein Viergespann
lenkt; die zweite Langseite endlich einen lebhaften Ivampf, dessen Erklärung die
Aufgabe der folgenden Zeilen sein soll, nachdem der erste Herausgeber hierftir ein
auch nur ihn selbst befriedigendes Resultat nicht gefunden hat.

Man sieht auf den ersten Biick, dafs es sich um einen sehr lebhaften Kampf
zwischen zwei verschiedenartigen Völkerschaften handelt. Die Vertreter der einen
Partei, drei an der Zahl (No. 1, 3, 7), ohne Zweifel die Angreifer, sind durch phry-
gische Mtitzen gekennzeichnet; alle drei sind bartlos, ohne Panzer, aber mit Schwert-
gurt versehen. Der erste uncl letzte ist mit einem kurzen Chiton bekleidet, der
bis zur Schamgegend reicht und von einem breiten Gürtel zusammengehalten wird.
Der erste und zweite sind beschildet; der zweite gebraucht als Waffe einen Stein,
die andern beiden führen kurze Schwerter.

Die von den eben Beschriebenen Angegriffenen (No. 2, 4, 6) sind bärtig, mit
Schwert und Schild bewaffnet und durch die xuv9j (No. 6), den Erzhelm (No. 4) und
die sog. Schiffer-Mütze (bei No. 2), wie auch durch den Panzer mit Nackenschirm *,
den zwei von ihnen tragen (No. 2 und 6), als Hellenen gekennzeichnet.

Aufser diesen sechs Personen sind noch drei vorhanden, die nicht am
Kampfe teilnehmen und deren Rolle im ersten Augenblick nicht klar ist; der eine
(No. 5) befindet sich in der Mitte der Darstellung, die anderen beiden (No. 8. 9) an
der rechten Seite derselben; sie sind durch Panzer und Helmkappe als Griechen ge-
kennzeichnet.

Ganz allgemein können wir hiernach sagen, dais es sich um einen Kampf
zwischen einem asiatischen und einem griechischen Volke handelt. Herr Körte
meint, die phrygische Mütze genüge nicht, um die eine Partei als Asiaten zu kenn-

') Diese EigentümlicEkeit des Panzers ist sehr
selten, doch findet sie siclr aufVasen [Monumenti
del Instttuto Bd. IX, Tafel 44 (Vase des Brygos).
Gerhard, Auserl. Vasenbilder, Bd. IV, 268 1;
269—70, 2, 3); auf Pergamenischen Re-
liefs (Bohn, AltertLimer von Pergamon Bd. II

S. 105, Taf. 43; 44, 2) und auf einigen syraku-
sanischen Dekadrachmen des Euainetos,
Kimon u. A. Bei Head, Comcige of Syracuse
N. 6, 7 und im Catalogue of the Greek coins in the
British Musetim, Sicily S. 171, 175, 176 sind
einige derselben abgebildet,
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