Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 1.1886

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Heydemann, Phlyakendarstellungen.

fälligen Umstande, dafs wir von der Entführung der Kyrene auf einem Schwan
wissen, ein unverhältnifsmäfsiges Gewicht beigelegt; auch ruft namentlich Hermes
neben der Schwanenjungfrau zu vornehmlich früher besprochene Darstellungen der
Aphrodite ins Gedächtnifs zurück, in deren Umgebung wir ebenfalls wiederholt
Nymphen fanden, als dafs die Deutung auf Kyrene aufrecht erhalten werden könnte.
Erinnert man sich weiter, dafs dem Apollo gleichfalls der Schwan geweiht ist, und
dafs Schwäne den Gott im Frühling nach Delphi geleiten, so scheint um so weniger
Grund vorhanden, den Gedanken an Aphrodite zu verwerfen, mag auch der inhalt-
liche Zusammenhang der Darstellung aufklärender Deutung harren'59.

A. Kalkmann.

AUF BEMALTEU VASEN.

Je spärlicher und geringer die Nachrichten sind, welche wir iiber den Inhalt
und das Wesen jener Dramata haben, die in Grofsgriechenland bei dionysischen
Festen von den sog. Phlyakes -— so hiefsen die komischen Deikelisten bekanntlich
in Grofsgriechenland — aufgeführt wurden1, um so wichtiger ist die Erhaltung einer
gröfseren Anzahl von Vasenbildern, deren Darstellungen jene litterarische Liicke
einigermafsen auszufiillen vermögen. Daher scheint es mir angebracht, einmal sämmt-
liche noch vorhandene Vasendarstellungen, soweit sie Phlyaken einzeln oder mehrere
aufweisen, zu sammeln und genau zu erklären — eine Sammlung, auf die heute,
wo sie veröffentlicht wird, das Horatianische ‘nonumprematur in annuin Anwendung
findet. Sie wurde nämlich schon in Berlin begonnen, blieb dann aber liegen, bis
clie Plerausgabe der Vase Caputi (D) den abgerissenen Faden wieder aufzunehmen
und weiterzuspinnen veranlafste. Zum Vortheil der Sammlung; denn nun bin ich
im Stande, nicht nur die italienischen Inedita zu geben, sondern auch noch eine
Reihe anderer hergehöriger Darstellungen zu veröffentlichen, so dafs von dreiund-
fiinfzig uns erhaltenen Monumenten jetzt mit Ausnahme von nur zweien (u v) alle
in Abbildungen vorliegen, was grade fiir diese Art von bildlichen Vorstellungen,

la9) Gegeniiber einer sitzenden Fräu, die sicli einen
Spiegel vorhält und den einen Fufs auf eine
Wolke (?) setzt, vermuthlich Aplrrodite, ist der
von einem Schwan getragene Apollo dargestellt
auf einer Vase etruskischer Technik (Gerhard
Auserl. Vasenb. T. 320, 1).

’) Vgl. dazu jetzt Sommerbrodt de phlyacographis
graecis Vratislaviac 1S 7 5. Auch cpÄAoyp fy01

werden sie geheifsen: Schol. Nicand. Alexiph.
214.
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