Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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15. Rosenthal, über Griechische Baukunst.

15.

• »

Uber die Entstehung und Bedeutung der architectoni-

schen Formen der Griechen.

(Von dem Herrn Bau-Inspector Piosenthal zu Magdeburg.)

(Schlufs des Aufsatzes No. 13. im vorigen Hefte.)

I.

Bildung der Hauptformen.

Sie umfafst als Haupttheile:

1) die Anordnung des Grundrisses;

2) die Anlage der Massen.

Der Grundrifs ist abhängig von der öconomischen Bestimmung des
Gebäudes nach dem Bedürfnisse und von den Localverhältnissen; die Mas-
sen, so weit sie nicht durch den Grundrifs bedingt werden, sind weniger
beschränkt. In der Anlage der Massen offenbart sich deshalb besonders
der Styl, in dem Grundrisse vorzugsweise der specielle Character des
Gebäudes. Unter Styl verstehe ich die Eigenthümlichkeit der Architec-
tur in Bezug auf den Geist des Volkes (subjective Eigenthümlichkeit); un-
ter Character dagegen die Eigenthümlichkeit in Bezug auf die jedesma-
lige Bestimmung des Gebäudes (objective Eigenthümlichkeit).

1. Der Grundrifs.

Nur wenige Gebäude-Arten der Griechen sind uns bekannt gewor-
den; allein, als die bei weitem wichtigsten, geben sie uns bedeutende
Winke über die Regeln, welche bei Anordnung des Grundrisses eines Ge-
bäudes befolgt wurden. Das Bedürfnifs ist überall fest im Auge gehalten;
nur da, wo es auf keine Weise gefährdet werden konnte, sind höhere
Anforderungen berücksichtigt.

Überzeugend bestätigen dies die Theater, welche bei ihrem be-
deutenden Umfange und bei der Wichtigkeit, welche man den Schauspie-
len beilegte, die lockendste Gelegenheit zur Errichtung prachtvoller Na-
tional-Bauwerke darboten; aber man suchte absichtlich Berg - Abhänge,
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