Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 26.1910-1911

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DIE KUNST AUF DER INTERNATIONALEN JAGD-AUSSTELLUNG IN WIEN

ausgiebige Anleihen bei den Porträtisten und Land-
schaftern gemacht, waren doch ihre besten Tier- und
Sportmaler anderwärts beschäftigt, Fahringer und
Ludwig Koch etwa; hier begegnet man Pau-
singer, W. V. Krausz, Blaas, zu denen sich dies-
mal Hubert von Zwickle gesellt hat, und an
Plastikern aus den verschiedenen Lagern zeichnen
sich Barwig, MOllner, Gornik und Jarl durch
gelungene Arbeiten aus. Nach den Grundsätzen der
dekorativen Wirkung ist man nach Möglichkeit über-
all vorgegangen, aufs strengste jedoch wurden sie
von der »Sezession« und der sogenannten »Klimt-
Gruppe befolgt. Beidemal sind die Gemälde erst
durch die Gesamtaufgabe hervorgerufen worden. Die
»Klimt-Gruppe« hat sich zudem die Beschränkung
auferlegt, daß alle die zwanzig als »dekoratives
Panneau« bezeichnetenWandfüllungen dieselbeGröße
einhalten mußten, gemäß dem von Josef Hoff-
mann in symmetrischer Strenge gestalteten Saal-
raum. Da sind nun eigenartige Versuche, der ge-
forderten Flächenwirkung nahezukommen, in allen
Abstufungen zu sehen. Franz W. Jäger und
Leopold Blauensteiner sind noch am ehesten
der realistischen Gemäldetafel nahe geblieben, von
der sich Leopold Forstner mit seinem »Alpen-
jäger« sichtlich entfernt, aber anders als der phanta-
sievolle Richard Teschner in seinen Münch-
hauseniaden, der ebenso wie manche andere seine
ursprüngliche Beschäftigung mit den Kleinblättern

der Graphik nicht verleugnen kann. Auch an Wag-
nissen auf dem Gebiet des Archaistischen und Primi-
tiven fehlt es nicht (Böhler, Strnad, Basel,
Schiele u. a. m.), ohne daß sie zu einem Abschluß
gelangt wären, der sich in einem persönlichen Stil,
wie er z. B. Berthold Loeffler eigen ist, kund-
gibt. In der geforderten stilistischen Zurückhaltung
zu bleiben und dabei Stimmung zu erzeugen, das
versteht wie kaum einer L. H. Jungnickel (»Wald-
idyll' und »Horst«), von dem auch eine Folge von
farbigen Holzschnitten herrührt, in denen er die
Tiere in andächtiger Naturtreue und mitunter humor-
voll charakterisiert. Auch die »Sezession« hat sich,
nach den Angaben von Robert Oerley, den ihr
zugewiesenen Saal einheitlich zunutze gemacht, als
eine Jagdhalle. An der Ausmalung beteiligten sich
Friedrich König, der dabei das Experiment mit
Wachsfarben machte, Otto Friedrich und Richard
Harlfinger. Zur Seite stehen deren mythischen
Einzelfiguren und koloristisch prächtigen Tierstücken
zwei Zyklen von je drei großen Bildern. Maximilian
Liebenwein schildert die »Jagd der Amazonen« in
seiner zeichnerisch betonten Illustratorenweise,
Rudolf Jettmar hat die Taten des Herkules, dieses
oft undaberoft behandelte Thema, in seine Formen- und
Farbenwelt übersetzt, so voll Kraft und Temperament,
wie es ihm nur je gegeben war, daß ein stärkster
Eindruck nicht ausbleibt.

Karl m. Kuzmany

a. vermare giotto

Internationale Kunstausstellung Brüssel 1910

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