Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 26.1910-1911

Seite: 436
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DIE FRÜHJAHRAUSSTELLUNGEN DER WIENER SECESSION UND DES HAGENBUNDES

Stimmungskünstler ergreift er viel stärker in in seinem Selbstporträt (Abb. S. 435) die sorg-
seinen Radierungen, deren neueste — „Die fältig durchgearbeitete Figur dunkel vor ein
Befreiung des Prometheus" — nicht zuletzt buntflächiges Plakat stellt. Kruis, Roux, Lie-
durch die grandiose Landschaft am Meere benwein, Offner (Czernowitz) und Schmoll
heroisch wirkt. Einer grundsätzlich verschie- von Eisenwerth (Stuttgart), der jetzt mehr
denen Auffassung des Dekorativen huldigt Franz denn je an die verschleierten Farben seiner
Wacik, übrigens ein Zeichner des grotesken graphischen Blätter erinnert und apart kompo-
Witzes, dem man auch unter den Graphikern niert (Abb. S. 441), brauchen bloß genannt zu
begegnet. Sein großer Zyklus „Die Königs- werden, da sie sich ebenso wenig unstät zeigen
kinder" (Abb. S. 455) bringt schlanke Figuren wie die Landschafter Nowak (Abb. S. 447),
mit eckigen Gesten, herb, die strengen Um- Hänisch, Karl Müller, Sigmundt, der an-
risse durch flächig betonende Farben gefüllt; dächtig ist und unauffällig wahr wie kein zweiter
die weißen Schaumkronen der grünen Wogen mehr, Lenz, den man trotz einer überraschen-
sind schematisch zackig und der rote Tang ist den Impression „Konzert" hieher zählen muß,
zu Ornamenten der schwarzen Felsen des Zdrazila (Troppau), in seiner altvaterisch um
Strandes geworden. Ganz in der Wirklichkeit jede Einzelheit besorgten Weise ein Wider-
stehen Ludwig Wieden (Abb. S. 438), dem spiel zu Kamocki (Krakau), der summarisch
sich der Geschmack zusehends veredelt, und sehr wirksam die gesegneten Felder schildert.
Hermann Grom-Rottmayer, der systematisch Immer breiter gibt Harlfinger seine Ueber-
die Farbenprobleme durchnimmt: reiche (Abb. schau über Seen und Flüsse der Alpen (Abb.
S. 437), dann einen Kontrast zweier Töne, end- S. 433), während Hohenberger sich einen
lieh die Skala innerhalb einer Farbe. Pole- gleichsam narbigen Pointiiiismus zurechtgetüp-
mischer mutet es an, daß Armin Horovitz feit hat für das Flimmern der Herbstsonne in

der „Straße in Frohnberg". Der Schnee-
maler sind diesmal mehr denn je: Hans
von Hayeks (Dachau) „Winter in den
Bergen", die ornamental behandelten
Schneewächten von Filipkiewicz (Kra-
kau), die „Zirbe im Schnee" (Abb. S. 439)
von Esterle (Innsbruck) wissen jedes dem
Thema etwas anderes abzugewinnen. Es
ist auffällig, wie viele der jungen Künst-
ler sich der Landschaft zuwenden: Sten-
gel, Ehrenhaft, Elsa Kasimir mit ihren
hellen Veduten aus dem Süden, Leo Ger-
lach u. a. m.; längere Zeit schon kann
man die Entwicklung von Stoitzner
(Abb. S. 452), der sich aus der Befangen-
heit im Detail befreit, und von Ernst
Eck (Abb. S. 440) beobachten. Gute In-
terieurs haben einige Neulinge beige-
steuert, Leonhard Schuller nieder-
österreichische Bauernstuben, Marko-
wicz und Talaga das Innere polnischer
Kirchen, auch Nissl (München) und
Hänisch sind hier zu nennen. Aus-
schließlich Stilleben haben Grete Wie-
den-Veit und Louise Fränkl-Hahn ge-
bracht, die man ebenso wie Friederike
von Koch (Graz) seit der Ausstellung
„Die Kunst der Frau" würdigen gelernt
hat. Durch die sorgfältige Durchbildung
ihrer Porträtstudien nehmen Rudolf
Kriser und F. M. Zerlacher eine Aus-
franz jaschke t kinderbildn*is nahmestellung ein; Vlastimil Hofmann
Frühjahr-Ausstellung der wiener Secession (Krakau) bewahrt die seine, dank dem einst

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