Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Zum Buchgewerbe im Elsass im XV. Jahrhundert.

selbe neben seinen eigenen Drucken eine
grössere Anzahl von Erzeugnissen an-
derer Druckereien verkaufte, das älteste
bis jetzt bekannte dieser Art ist. W. Meyer
hat aber auch noch zwei Venetianer An-
zeigen gefunden, welche den Beweis
dafür erbringen, dass es thatsächlich nicht
ungewöhnlich war, auf einer Bücheran-
zeige die Ankündigung der Erzeugnisse
mehrerer Druckereien zu vereinigen.

Die älteste Buchdruckeranzeige, die
wir nachweisen können, stammt nun aus
Strassburg, und zwar von dem zu Schlett-
stadt geborenen Johann Mentel. Er kaufte
1447 als Goldschreiber, «scriba aurarius,»
das Bürgerrecht und ward, seines Kunst-
gewerbes wegen, in die Zunft zur Stelz
eingeschrieben. Zugleich versah er das
Amt eines Notars. Johann MentePs Bücher-
anzeige über die Ausgabe von « Joannis
Astexani de Ast Summa de casibus con-
scientiae», haben bereits Weigel und
Zestermann und C. Schmidt in ihrem ganzen
Wortlaut wiedergegeben. Sie enthält in-
nerhalb der Aufforderung: «Volentes
emere summa vere amabilem, cuncto^
aspectibus merito gratiosam, vulgarit
summa Astensis nucupata» , etc. eine
genaue Beschreibung des Inhaltes und der
Quellen, sowie der Brauchbarkeit für
Arme, welche keine andern, oder doch
nur wenige Bücher besitzen, als auch für
Reiche, denen viele zur Verfügung stehen.
An dieser Anzeige können wir uns davon
überzeugen, dass sie dazu bestimmt war,
auf jene oben bezeichnete Art und Weise
an Wiederverkäufer der Summa abgegeben
zu werden; welche nach den Worten:
«Veniant ad hospiem » ihre Firma aufzu-
zeichnen hatten, wie in dem im Besitze
T. O. Weigel's gewesenen Exemplare:
« Zum Wilhelmen Sautreiber. »

Die Zweitälteste Bücheranzeige Jo-
hann Mentels, um das Jahr 1473 gedruckt,
befindet sich in der Nationalbibliothek zu
Paris. Erwähnenswert sind auch die in
München befindlichen Anzeigen von Heinrich
Eggestein (Strassburg 1470), Mentel's Ge-
schäftsgenossen, aus Rosheim, dann die von
Mentel (Strassburg 1471). Der Zahl dieser

Bücheranzeichen des i5. Jahrhunderts wird
sich in den einzelnen Bibliotheken un-
schwer vermehren lassen. Es ist auch
bereits eine Ankündigung bekannt ge-
worden, welche nicht das Verzeichnis einer
Anzahl Drucke einer einzelnen Offizin
oder einer Vereinigung von örtlich ein-
ander nahestehenden Druckereien enthält,
sondern die Geschäftsanzeige eines wan-
dernden Buchführers vorführt, der ver-
mutlich von Strassburg ausgehend, auf
seiner Rundreise durch Deutschland überall
seine Vorräte ergänzt und bereichert. Da
der wechselnde Bestand seines Sortiments
den Druck eines genauen Verzeichnisses
der einzelnen Bücher nicht lohnen würde,
so empfiehlt der fahrende Buchführer sein
Lager im Allgemeinen und verweist auf
den Specialkatalog, welcher in seiner
Herberge den Kauflustigen die näheren
Aufschlüsse gibt.

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auf dem Odilienbere- Von G. Daubncr.
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