Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Kleine Mitteihmgen.

Vorzügliches herauswächst, und man er-
kennt deutlich, dass es neben dem Hoch-
schätzen der Erzeugnisse der Vorfahren
vor allem das Streben ist, durch intensives
Naturstudium wieder aus dem Born zu
schöpfen, der, unversiegbar für alle Zeit,
allein zu echten wahren Kunstwerken und
zu einer jugendfrischen gesunden Kunst-
entwickelung führen kann und führt. Wenn

Dürer sagte, dass man die Kunst aus der
Natur herausreissen müsse, so kann es
nur der, der die Natur kennt und liebend
versteht, und hierin gleichen sich die guten
echten Werke der früheren Jahrhunderte
mit dem Guten und Vorzüglichen, was
auch heute geleistet wird.
«Naturam expellas furca, tarnen usque

recurret.»

Madonna in St. Peter und Paul
zu Neuweiler, onrtoonooo

KLEINE MITTEILUNGEN

Turin. Erste Ausstellung für moderne
dekorative Kunst. — Nachdem die mächtige
Kuppelanlage, welche das Centrum der ganzen
Ausstellungsanlage bildet, im Aeusseren so
ziemlich fertig gestellt ist und bereits ihren
plastischen und malerischen Schmuck erhalten
hat, ebenso wie die daranstossenden niedrigeren
Seitenbauten, lässt sich allmählich der Eindruck,
den diese Bauten machen, in einer bestimmten
Weise zusammenfassen. Der Kuppelbau wirkt
in vielen Beziehungen ganz ausserordentlich
originell, wenn auch an schmückenden Zuthaten
des Guten etwas zu viel geschehen ist. Die
Totalerscheinungist eine durchaus interessante,
in Bezug auf die Flächenverhältnisse und
Flächenunterbrechungen äusserst geschickt an-
geordnete, die noch weitaus stärker wirken
müsste, wären mancherlei fleckenartig wirkende
Details weggeblieben. Indes wirken auch diese
nicht bestimmend für die ganze Erscheinung,
die etwas überaus Festliches, in der Silhouette

wundervoll zur Landschaft Passendes hat, und
auch im Aufbau eine logische Reihenfolge ar-
chitektonischer Ueberlegungen zeigt. Weit
weniger ist dies bei den Flügelbauten der
Fall, die manches reizvolle Detail enthalten,
ohne dass dieses jedoch gerade immer als etwas
mit dem Ganzen Zusammengewachsenes, Na-
türlich-Notwendiges erschiene. Merkwürdiger-
weise haben hier Wiener Einflüsse das ent-
scheidende Wort gesprochen. Olberich ist
offenbar zum Muster genommen worden. Das
spricht sich am stärksten bei den Pylonen des
Festplatz-Einganges aus. Sie lehnen sich direkt
an die berühmten Bauten der vorjährigen Darm-
städter Ausstellung an, doch fehlen glücklicher-
weise die Malereien. Im Innern wird die Man-
nigfaltigkeit des Ausdruckes jedenfalls eine
Reihe höchstinteressanter Gegensätze bieten.

Die deutsche Abteilung, welche neuerdings
noch um einen Saal vergrössert worden ist, der
in allererster Linie Arbeiten aus dem Gebiete
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