Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Unsere Illustrationen.

Abb. XXV. — Vorlage für Kreuzstich Stickerei.
2. Schuljahr. Mädchenabteilung. n^n^r>nn«

UNSERE

ILLUSTRATIONEN

Die von der „Industriellen Gesellschaft" in
Mülhausen ins Leben gerufene und mit einem
nicht unbeträchtlichen Kostenaufwand unter-
haltene „Zeichenschule", trägt thatsächlich den
Charakter einer Fachschule für die Textil-
industrie, welche den Zweck verfolgt, der
Grossindustrie tüchtige Dessinateure zuzu-
führen, neue Anregungen zu bieten und mit
ästhetischem Gefühle die modernen Kunst-
strömungen für das weite Gebiet der Muster-
zeichnung dienstbar zu machen. In dem voran-
gehenden Aufsatze dieses Heftes unserer
Zeitschrift ist bereits auf die Bedeutung der
Gravicrschule in Mülhausen hingewiesen worden.
In möglichst instruktiver Weise führen nun
unsere Abbildungen Seite 169—171 die ver-
schiedensten Graviermuster, von den einfachsten
Uebungen und Versuchen bis zu den voll-
endeten Ornamenten, Pflanzen- und Tierdar-
stellungen vor Augen. Die Unterweisung durch
die Gravierschule erscheint gleichsam als der
Grundstein der Leistungsfähigkeit der Mül-
hauser Schule. Das Technologische findet in
ihr eine starke, aber ihrem Zwecke vollkommen
entsprechende Betonung. Dass über dieser Pflege
der Technik die Bildung des Geschmackes
nicht vernachlässigt wird, beweisen die ein-
zelnen Arbeiten der Schule. Für die Entstehung
der Muster ist z. B. jenes für eine Bettdecke
von Bedeutung. (Abbild. XVI). Es ist zum Teil
in der Gravierabteilung ausgeführt, in sog.
picotage; die rot picotierten Blätter und Beeren
auf zartgrünem Hintergrunde veranschaulichen

den Gang der Herstellung der Arbeit. Auf
welche Weise die Schüler der Gravierabteilung
die Schraffierung erlernen müssen, zeigt eine
im wesentlichen nach einer lithographierten
Composition von W. Mussill ausgeführte, aber
selbständigschraffierteCopie. (Abb.S. 171). Wie
die feinen, wollenen Tücher, die sog. Kaschmir-
Shawls, durch eine mehr moderne Musterung
dem Markte erhalten werden können, zeigt das
Muster Nr. XXVII,dasin verschiedenen,überaus
zarten Farben ausgeführt ist. Ein Muster für
gewebte Bänder, das Motiv: Narzissen in bläu-
lichen und gelblichen Farben, die Blätter grün,
bringt Abbild. VIII Dann folgt ( Abbild. XV), ein
Muster für Kleiderstoffe : Motiv Alpenveilchen,
carmoisinfarbige Blüten, mattgrüne Blätter, auf
grünblauem Grund; ein Muster für Druck
(Gewebe) Abb. XXVI zeigt stilisierte Anemonen
in verschiedenen Farben; ein Muster zu Friesen
für Tapeten, Motiv : Kapuzinerkresse (Abbild.
XXIX); die im Vordergrunde erscheinenden
Ranken, Blüten und Blätter in Naturfarbe, die
im luftblauen Hintergrunde mattviolett; ein
Muster für Cretonne-Stoffe (Abb. XXVIII), die

o Abb XXVI. — Muster für Druck und Gewebe.
Motiv: Anemonen. _. Schuljahr. Knabenahttilunit.
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