Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Kleine Mitteilungen.

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(455 Mk.) gelangte es 1884 in die Hände
des erwähnten Sammlers, der uns die
Reproduktion freundlichst gestattete. Das
stattliche Zinngeräte, das wir stark ver-
kleinert wiedergeben, hat die Form einer
elegant gegliederten Henkelkanne aut
hohem Fusse. An der vorderen Seite
des Aquamanile zeigt sich freistehend ein
zugespitztes Schild. Als Deckelkrönung
dient die vollrunde Figur eines sitzenden
Löwen. Der schlicht-vornehme und doch
graziöse Aufbau des interessanten Stückes,
die einfache Dekorationsweise, die treff-
liche Technik des Gusses, all diese Vor-
züge sind so augenfällig, dass jeder Kunst-
freund die Bedeutung der Kanne für die
Beurteilung der älteren Strassburger Zinn-
arbeiten sehr wohl verstehen kann. Auf
ihrem Henkel zeigt sie drei Stempel, zwei
mit gekröntem Mohrenkopf, einen mit Lilie
(Strassburg).

Die übrigen älteren Strassburger Zinn-
geräte, heute zerstreut in alle Winde —
sollen, soweit sie durch Dekoration oder
Formenschönheit in Betracht kommen —
in den folgenden Heften dieser Zeitschrift
veröffentlicht und besprochen werden.

KLEINE MITTEILUNGEN

Kunstgewerbe-Ausstellung in München
1904. — Ein grosses Ereignis für die ange-
wandte Kunst und deren Vertreter steht in
Sicht: eine Kunstgewerbe - Ausstellung in
München 1904, dank der Initiative des bayer-
ischen Prinz-Regenten. Als Lokal sind die
Räume des Glaspalastes in Aussicht genommen.
Das Handschreiben, welches der kunstsinnige
Prinz-Regent in dieser Angelegenheit an den
Staatsminister von Feilitzsch richtete, lautet
folgendermassen :

«Mein lieber Staatsminister Dr. Freiherr
von Feilitzsch ! Das bayerische Kunstgewerbe
hat in den letzten Jahren einen so glänzenden
Aufschwung genommen und auch weit über
Deutschlands Grenzen hinaus einen so frucht-
bringenden Einfluss ausgeübt, dass mir die
Zeit gekommen erscheint, um die jüngsten
Errungenschaften auf kunstgewerblichem Ge-
biete in Form einer in der Haupt- und Residenz-

stadt Bayerns abzuhaltenden Ausstellung den
weitesten Kreisen vor Augen zu führen.

Ich glaube, dass hierdurch das Interesse
wie das Verständnis für den hohen ethischen
und materiellen Wert, welche die gewerbliche
Kunst für die breitesten Schichten des Volkes
hat, eine nicht unwesentliche Förderung er-
fahren und dass eine solche Ausstellung den
kunstgewerblichen Kreisen die Anregung zu
gesteigerter Schaffenskraft geben wird. Die in
diesem Jahre stattfindende internationale Kunst-
gewerbe-Ausstellung in Turin wird Gelegen-
heitgeben, weitgehende Erfahrungen auf diesem
Gebiete zu sammeln und damit wesentlich zum
Gelingen einer Ausstellung in München beizu-
tragen.

Für die Ausstellung, die Meines Erachtens
zweckmässig im Jahre 1904 zu veranstalten
sein dürfte, würde Ich gegebenenfalls Räume
des Glaspalastes zur Verfügung stellen. Um
die Beschickung der Ausstellung den Kunst-
gewerbetreibenden in thunlichstem Umfange
zu ermöglichen und den Ausstellern die Be-
streitung des hieraut erwachsenden Kostenauf-
wandes zu erleichtern, werde Ich die Bereit-
stellung entsprechender Mittel veranlassen. Ich
beauftrage Sie nunmehr, sich mit massgebenden

Aus der Keramischen Abteilung der
Strassburger Kunsigewerbeschule. n
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