Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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gj/A BUCHGEWERBE IM ELSASS

IM XV. JAtiRrlUNPERT1

Die Bücher waren ein Produkt tüch-
tiger Arbeit, eine Ware. Wir wissen ja,
auf welche gewerbsmässige Art auch die
Kunstware, Kupferstiche und Holzschnitte,
unter das kauflustige Publikum gebracht
wurden, — in einer noch erhaltenen Ur-
kunde vom Jahre 1500 verpflichtet sich
der Maler Hans Arnold, dessen Bruder
Jakob Albrecht Dürer «aufgenommen
habe, ihn mit Kunst auszuschicken, ihm
die Ware zu verkaufen,» dem Meister
für den Wert dessen, womit er jenen
ausschickte, zu bürgen -. Wir wissen also,
dass solche Austräger auch die Kunst-
ware in benachbarten Städten und Wall-
fahrtsorten colportierten und damit Messen
und Kirchenfesten nachzogen. Die Art
und Weise, wie die Buchdrucker als
Buchführer oder Buchhändler auf Messen
und Jahrmärkten mit ihren Produkten

1 Die nachstehenden Zeilen mögen als eine
kurze Einleitung zu einer Artikel-Serie gelten,
die sich mit der Buchillustration im Elsass beschäf-
tigen wird. (Die Red.)

2 Vergl. Thausing, Dürer. Leipzig, Seemann
1884.

feilhielten, ergiebt sich ungefähr aus dem
von ihnen bezahlten Stättegeld, welches
in den verschiedenen Kämmereirechnungen
sich verzeichnet findet.

Während aber die anderen Verkäufer
ihre Waren aushingen oder ausriefen,
bedienten sich die Drucker ihrer Kunst,
um auf ihre Bücher das Augenmerk der
Menge hinzulenken: sie druckten An-
schlagzettel, Plakate, welche sie in den
Städten, in denen sie feilhielten, in mög-
lichst grosser Anzahl verbreiteten. Das
Gasthaus oder die Privatwohnung, in
welcher die fahrenden Drucker ihre Ware
den Kauflustigen zur Einsichtnahme vor-
legten und über den Preis der Bücher
mit sich handeln Hessen, war meist nicht
beigedruckt, sondern mit Tinte beige-
schrieben.

So entstanden Buchdruckeranzeigen
der verschiedensten Art: Anzeigen, in
welchen der Verkäufer nur ein einziges
Werk feilbietet; einfache Anzeigen, welche
auf das Erscheinen eines Buches im Vor-
aus die Aufmerksamkeit lenken sollen;
Voranzeigen, welche dazu bestimmt sind,
einen drohenden Concurrenzdruck recht-
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