Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

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Der zweite Makedonische Krieg.

Römer. (5) Am Ende dieses Tages lagerte Titus bei dem sogenannten
Orte1) Eretria in Phthiotis, Philipp am Onchestosfiusse, ohne gegen-
seitig von ihren Lagerplätzen Kunde zu haben. (6) Am folgenden
marschierten sie weiter, und Philipp lagerte beim sogenannten Melam-
bion im Gebiete von Skotussa, Titus beim Thetideon im Gebiete
von Pharsalos, ohne das geringste von einander zu wissen. (7) In-
folge Regens und heftiger Gewitter senkte sich am folgenden Morgen
ein so dichter Nebel aus den Wolken auf die Erde herab, dafs man
wegen der herrschenden Finsternis nicht einmal die Hand vor Augen
sehen konnte. (8) Trotzdem brach Philipp, um sein Marschziel mög-
lichst schnell zu erreichen, auf und marschierte mit dem ganzen Heere
weiter. (9) Durch den Nebel auf dem Marsche belästigt, legte er
aber nur eine kurze Strecke zurück, schlug dann ein Lager auf und
schickte seine Vorhut ab mit dem Befehle, den Kamm der zwischen-
liegenden Hügel zu besetzen.

21: Titus, der in seinem Lager beim Thetideon ohne Nach-
richt von der Stellung des Feindes war, schickte 10 Reiterabteilungen
und 1000 Leichte ab mit dem Auftrage, das Land vorsichtig abzu-
suchen. (2) Auf ihrem Vormarsche in der Richtung der Übergänge
stiefsen diese Truppen wegen des nebligen Wetter ohne etwas zu
merken auf die makedonische Vorhut. (3) Im Anfang gerieten beide
Teile einen Augenblick in Verwirrung, bald darauf aber fingen sie
an miteinander zu plänkeln und schickten beiderseits Meldung an
ihre Heerführer. Da aber die Römer im Gefechte von der makedonischen
Vorhut benachteiligt wurden, schickten sie in ihr Lager und baten
um Verstärkung. (5) Titus schickte ihnen die Ätoler Archedamos
und Eupolemos und zwei seiner Militärtribunen mit 500 Reitern und
2000 Fufssoldaten zu. (6) Durch diese Verstärkung erhielt das Ge-
fecht sofort das entgegengesetzte Aussehen. Denn die Römer griffen,
durch die Verstärkung ermutigt, doppelt kräftig an, die Makedonier
wehrten sich zwar tapfer, aber gedrängt und sehr benachteiligt flohen
sie zu der Höhe und schickten zum Könige um Verstärkung.

22: Philipp, der aus den vorerwähnten Ursachen an diesem
Tage keine Entscheidungsschlacht mehr erwartet hatte, hatte einen
ziemlich grofsen Teil seines Heeres auf Furagierung ausgeschickt.

i) Nach Büttner -Wobsts brieflicher Mitteilung sind die Worte „dem so-
genannten Orte" wohl besser zu tilgen.
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