Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

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2. Der Feldzug in Epiros und Thessalien (198 v. Chr.)

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des Endes, wenn es nicht gelungen war, bis dahin eine Entscheidung
zu erzwingen, die neue Verpflegungsgebiete eröffnete.

Man erkennt also, wie richtig Philipps Kriegssystem hier ge-
wesen ist, welche Bedeutung die im einzelnen kleinen und von unserer
Überlieferung natürlich nicht überall registrierten Überfälle bei
Furagierungen und Requisitionen gehabt haben, und welche Be-
deutung besonders der Schlacht von Banitza zukommt, durch die den
Römern sozusagen ein neues grofses Proviantmagazin geöffnet wurde,
nachdem das von Monastir erschöpft war. Aber auch so wurde es
den Römern in dem unwirtlichen Lande bald zu eng. Sie traten
den Rückzug an, weil sie nur so einer Katastrophe entgehen konnten1).

Es ging ihnen wie Friedrich dem Grofsen in Böhmen im
zweiten Schlesischen Kriege, wo auch durch hartnäckige Verweigerung
der Schlacht und gleichzeitige Unterbindung der Verpflegung durch
die österreichischen Husaren der König von Position zu Position
zurückmanövriert wurde, bis er unter den beträchtlichsten Verlusten
das Land verlassen mufste.

2. Der Feldzug in Epiros und Thessalien (198 t. Chr.).
Die Schlacht am Aoos.

Ein völlig verändertes Bild zeigt uns der Feldzug 198. £E"h2Y
Wie auf Verabredung wechseln beide Parteien den Kriegschau-
Platz und wenden sich nach dem Süden, nach Epiros. Es erscheint
wie Laune und Willkür und ist um so eigentümlicher, als Philipp
cs war, der zuerst im Felde erschien und die Römer auf das von
ihm gewählte Kriegstheater hinüberzog, so dafs hier mit Vertauschung
der Rollen nicht der Angreifer, sondern der Verteidiger sich die Vor-
hand im Handeln gewahrt hat. Noch ehe nämlich die Römer aus
den Winterquartieren aufgebrochen waren, hatte Philipp schon seine
gesamte Streitmacht an den Aoospässen bei Antigonea im nördlichen

Berge flüchteten und mitnahmen, was sie konnten, so wird man die Spannweite
80 grofs wie man will ansetzen können, ohne über die im Texte genannte Zeit
hinauszukommen.

l) Am deutlichsten wird das in unserer Überlieferung ausgesprochen bei
den Erwägungen, die Flamininus abhielten, den Versuch, durch Obermakedonien
vorzudringen, zu erneuern, s. unten S. 37 A. 2.

Kromayer, Aiuike Schlachtfelder. II.
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