Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

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Der Syrisch-römische Krieg.

des Gegners einer der wichtigsten Faktoren. Mit seiner zutreffenden
Einschätzung steht und fällt die Kichtigkeit des Ganzen.

Durfte Antiochos bei dem Volk der Kannäkämpfer jene diplo-
matische Nachgiebigkeit, bei jener Aristokratie aus Bauernblut, die
den Staat leitete, jene Geschmeidigkeit der hellenistisch-orientalischen
Monarchien und Kabinette voraussetzen? Durfte er annehmen, dafs
es nur die harte Notwendigkeit des Kampfes ums politische Dasein
gewesen war, welche diese Römer im Kannibalischen Kriege zu so
beispiellosem Harren und Dulden befähigt hatte? Oder mufste man
nicht vielmehr erwarten, hier auf eine Gesinnung zu stofsen, die sich
in ihrer Hartnäckigkeit bereit machte, die ganze Existenz an die Fest-
haltung der politischen Hegemonie in Griechenland zu setzen und
lieber unterzugehen, als hier auch nur einen Schritt zurückzuweichen?
Dann allerdings wäre die Eroberung Thrakiens und ein Anteil an der
Herrschaft über Griechenland nur auf dem Umwege über die Ver-
nichtung Roms zu erreichen gewesen.

Die Vergangenheit Roms, der Pyrrhoskrieg und der Kampf um
Sizilien sprachen nicht dafür, dafs Antiochos seine Gegner richtig ein-
geschätzt hatte. Aber eine direkte Antwort hat uns die Geschichte
versagt. Rom wurde solcher Erwägungen überhoben. Schon der erste
Waffengang entschied endgültig zu seinen Gunsten.

1. Der Feldzug bis zur Schlacht und die Bestimmung des

Schlachtfeldes.

Gegen Ende Oktober 192 landete Antiochos mit 10000 Mann,
10 500 Reitern und 6 Elefanten bei Pteleon im Pagasäischen Meerbusenl);
5" Es ist selbstverständlich, dafs diese unbedeutende Armee, welche kaum
genügt hätte Griechenland zu besetzen, selbst wenn es ohne Römer-
schutz gewesen wäre, nur als die Vorhut des Hauptheeres zu be-
trachten ist und nur den Zweck haben konnte, das vor zwei Jahren
von den Römern geräumte Land mit Beschlag zu belegen und durch
Besetzung fester Punkte, durch Verbindung mit Ätolien und anderen
Staaten für den Feldzug des Hauptheeres den Boden vorzubereiten.

1. Thermopylä.

J) Liv. 35, 43, 4 ff. Über die Zahl der Truppen s. Beilage I, über die Zeit-
bestimmungen hier und im folgenden Beilage III.
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