Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

Page: 153
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1. Thermopylä.

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einerseits der moralische Halt der Truppen gestärkt und anderseits
durch die positive Unterstützung von Fernwaffen, die von der Mauer
und dem Walle aus über die Köpfe der eigenen Soldaten hin wirken
konnten, deren Verteidigung im freien Felde erleichtert werden. Die
Flankierung endlich mufste den Angriff des Gegners von Anfang an
hemmen und konnte nach Abweisung des Angriffes bei der Verfolgung
die wesentlichsten Dienste leisten.

Der Disposition entsprach zunächst auch der Verlauf voll-
ständig.

Der erste Angriff der Römer auf die Peltasten des Zentrums
wurde mit Hilfe der Flankierungstruppen abgeschlagen, und erst ein
zweiter Vorstofs der mit schmaler Front und grofser Tiefe aufgestellten
Manipeln zwang das erste Treffen, sich in die Verschanzung hinter
die Phalanx zurückzuziehen '). Diese letztere nahm nunmehr den An-
griff der Römer auf ihrem niedrigen Erdwalle stehend an3), natürlich
auch ihrerseits von den leichten Truppen der Flanke und der Be-
satzung der Mauer und des Walles hinter sich unterstützt. Sie liefs

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sprechend, aber unter ausdrücklicher Erwähnung der Flankentruppen Liv. 36, 18, 5:
Macedones pro vallo locati primo facile sustiuebant Romanos . . . multum adiu-
vantibus, qui ex loco superiore fundis velut nimbum glandis et sagittas simul
ac iacula ingerebant.

2) Dafs die Phalanx von Anfang an auf dem ersten Walle gestanden hat,
ist nirgends ausdrücklich bezeugt. Die Ausdrücke des Livius circa ipsas muni-
tiones und des Appian nnb jov arnaionidov (s. S. 152 A. 1) sind, der militärischen
Ungenauigkeit dieser Schriftsteller entsprechend, zu allgemein. Ja, es scheint nach
dem Berichte des Livius „(Macedones) pulsi loco intra munitiones . . concesserunt"
sogar, als ob von einem Zurückweichen der Phalanx die Rede wäre. Indessen
wirft Livius in seinem summarischen Bericht den Kampf des ersten Treffens, der
makedonischen (s. S. 152 A. 1) Peltasten mit dem des zweiten zusammen. Nach
dem hier genaueren Appian bezieht sich die Rückzugsbewegung nur auf das erste
Treffen, die Phalanx dagegen läfst die leichten Truppen durch und hält ihren
Standort fest: roüf per xpUobs jj (paXayi (öe^axo xal avvtlOovaa lxa).vipt xal tccs
g«'jioaas «V T«fft nvxvas noovßui.ovio. Es ist in dieser genauen Beschreibung
einer taktischen Detailbewegung die Vorlage des in solchen Dingen bekanntlich
pedantisch genauen Polybios nicht zu verkennen. Der Standort der Phalanx ist
aber nach Livius eben der Wall. Über die Berechtigung, die zwei Schlachtberichte
m dieser Weise auseinander zu ergänzen, s. S. 149 A. 3.
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