2. Magnesia.
155
Dann kam ein Waffenstillstand auf 6 Monate zustande, welcher es
dem neuen Oberbefehlshaber L. Scipio und seinem Bruder, dem Sieger
von Zama, ermöglichte, den Marsch durch Thessalien, Makedonien
und Thrakien nach dem Hellespont anzutreten. Über den Beginn
dieses Marsches und seine Durchführung im einzelnen ist nichts Ge-
naueres bekannt. Er endete um den 12. November 190, um welche
Zeit man in Sestos am Hellespont anlangte1).
Die Länge dieses Marsches beträgt von Amphissa bis Sestos
etwa 798 Kilometer. Rechnet man hinzu, dafs ein Teil der römischen
Truppen in demselben Sommer schon den Marsch von Apollonia nach
Amphissa mit 490 Kilometern zurückgelegt hatte, und dafs die ganze
Armee bis auf das Schlachtfeld von Magnesia in Kleinasien vom
Hellespont aus noch weitere 389 Kilometer zu marschieren hatte, so
ergeben sich für diesen Feldzug 1677 Kilometer, ein Resultat, welches
sich den Marschleistungen in den meisten Feldzügen Alexanders des
Grofsen würdig an die Seite stellen kann2).
Indessen war aber der Krieg zur See schon im Jahre 191 nach
Asien hinübergetragen worden.
Der neue Flottenkommandant Livius war mit einer sehr be-
trächtlichen Verstärkung von 56 Deckschiffen und einer Anzahl
kleinerer Fahrzeuge in Athen angekommen und hatte sich nach Über-
x) Nach dem Übergang über den Hellespont hatte das Heer „aliquamdiu
stativa ad Hellespontum, quia dies forte, quibus ancilia moventur, religiosi ad iter
inciderant" (Liv. 37, 33, 6). Scipio war schon diesseits des Hellespontes zurück-
geblieben, -weil er als Salier „propiore etiam religione" gehalten wurde. Diese
Tatsachen hat Matzat S. 204 in scharfsinniger Weise so gedeutet, dafs Scipio schon
seit dem Feste des regifugium zurückgeblieben sei, d. h. fünf Tage vor dem 1. März,
während das Heer selbst erst vom 1. März an den Marsch eingestellt habe. Da-
nach wäre der Übergang über den Hellespont zwischen dem 24. des Intercalaris
und 1. März, d. h. nach unserem Kalender zwischen 12. und 16. November, erfolgt
(s. oben S. 112). Denn dies Jahr war ein Schaltjahr, weil das vorige, das Konsulats-
jahr des Glabrio, keines war (s. Beilage III S. 222 A. 2). — Über Nieses Widerspruch
vergleiche man oben S. 112; seine Berufung auf Wissowa (Marquardt-Wissowa,
Hdb. der römischen Altertümer, Staatsverw. Bd. III 437 A. 1) ist deshalb ohne Be-
weiskraft, weil Wissowas Vermutung, dafs auch die Oktoberzeit für religiosum ad
iter gegolten habe, sich nur auf unseren Fall stützt.
2) Entfernungen auf der österr. Karte von Mitteleuropa 1 : 300000 gemessen.
Die Marschleistungen in den Feldzügen Alexanders schwanken (nach York von
Wartenburg, Übersicht d. Feldzüge Alexanders d. Gr. 1897) in den einzelnen Jahren
zwischen 1420 und 2180 Kilometern.
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Dann kam ein Waffenstillstand auf 6 Monate zustande, welcher es
dem neuen Oberbefehlshaber L. Scipio und seinem Bruder, dem Sieger
von Zama, ermöglichte, den Marsch durch Thessalien, Makedonien
und Thrakien nach dem Hellespont anzutreten. Über den Beginn
dieses Marsches und seine Durchführung im einzelnen ist nichts Ge-
naueres bekannt. Er endete um den 12. November 190, um welche
Zeit man in Sestos am Hellespont anlangte1).
Die Länge dieses Marsches beträgt von Amphissa bis Sestos
etwa 798 Kilometer. Rechnet man hinzu, dafs ein Teil der römischen
Truppen in demselben Sommer schon den Marsch von Apollonia nach
Amphissa mit 490 Kilometern zurückgelegt hatte, und dafs die ganze
Armee bis auf das Schlachtfeld von Magnesia in Kleinasien vom
Hellespont aus noch weitere 389 Kilometer zu marschieren hatte, so
ergeben sich für diesen Feldzug 1677 Kilometer, ein Resultat, welches
sich den Marschleistungen in den meisten Feldzügen Alexanders des
Grofsen würdig an die Seite stellen kann2).
Indessen war aber der Krieg zur See schon im Jahre 191 nach
Asien hinübergetragen worden.
Der neue Flottenkommandant Livius war mit einer sehr be-
trächtlichen Verstärkung von 56 Deckschiffen und einer Anzahl
kleinerer Fahrzeuge in Athen angekommen und hatte sich nach Über-
x) Nach dem Übergang über den Hellespont hatte das Heer „aliquamdiu
stativa ad Hellespontum, quia dies forte, quibus ancilia moventur, religiosi ad iter
inciderant" (Liv. 37, 33, 6). Scipio war schon diesseits des Hellespontes zurück-
geblieben, -weil er als Salier „propiore etiam religione" gehalten wurde. Diese
Tatsachen hat Matzat S. 204 in scharfsinniger Weise so gedeutet, dafs Scipio schon
seit dem Feste des regifugium zurückgeblieben sei, d. h. fünf Tage vor dem 1. März,
während das Heer selbst erst vom 1. März an den Marsch eingestellt habe. Da-
nach wäre der Übergang über den Hellespont zwischen dem 24. des Intercalaris
und 1. März, d. h. nach unserem Kalender zwischen 12. und 16. November, erfolgt
(s. oben S. 112). Denn dies Jahr war ein Schaltjahr, weil das vorige, das Konsulats-
jahr des Glabrio, keines war (s. Beilage III S. 222 A. 2). — Über Nieses Widerspruch
vergleiche man oben S. 112; seine Berufung auf Wissowa (Marquardt-Wissowa,
Hdb. der römischen Altertümer, Staatsverw. Bd. III 437 A. 1) ist deshalb ohne Be-
weiskraft, weil Wissowas Vermutung, dafs auch die Oktoberzeit für religiosum ad
iter gegolten habe, sich nur auf unseren Fall stützt.
2) Entfernungen auf der österr. Karte von Mitteleuropa 1 : 300000 gemessen.
Die Marschleistungen in den Feldzügen Alexanders schwanken (nach York von
Wartenburg, Übersicht d. Feldzüge Alexanders d. Gr. 1897) in den einzelnen Jahren
zwischen 1420 und 2180 Kilometern.