Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

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Der Krieg gegen Perseus.

Offensive ist er jedoch auch damals nicht vorgegangen. Das lag eben
aufserhalb des Kahmens seiner Strategie.

Nach Beendigung der Operationen im Herbst haben die Römer
ihr Hauptquartier in Larissa und legen es später nach Pharsalos.
Tausend Mann kamen wie im vorigen so auch diesen Winter nach
Ambrairia1). Man hatte wiederum keinen Schritt vorwärts gemacht.
Auch die Flotte, die diesmal, wie es scheint, zusammen mit Eumenes
von Pergamon operierte, leistete so gut wie nichts. Die Eroberung
von Abdera und ein erfolgloser Streifzug an der Küste von Make-
donien und Thrakien ist alles, was wir von ihrer Tätigkeit hören2).

Dagegen hat Perseus im Herbst und Winter noch eine aufser-
ördentliche Rührigkeit entfaltet. Sein erster Zug galt den Dardanern
im Quellgebiet des Wardar, Ibar und der Morawa und brachte, wenn
wir der Zahlenangabe glauben wollen, den Dardanern einen Verlust
von 10000 Menschen, dem Könige reiche Beute ein3). Dann wandte
er sich, in der Mitte des Winters4), nach Nordwesten gegen das
von den Römern selbst besetzte Illyrien.

Die Grenze seines und des römischen Gebietes bildete damals
„ , ungefähr der Gebirgszug, welcher sich vom Schar-Dagh in südlicher

herzu Karte ° ° 01 °

,?0'V111.!, und südsüdöstlicher Richtung hinzieht und, östlich von der dassareti-

kizze S. 257. ° "

sehen Seengruppe streichend, unter verschiedenen Namen bis in
das grofse Knie der Wistritza-Karasu, des Haliakmon der Alten,
hinabläuft5). Diese Grenze war, wie früher (S. 251 f.) auseinander-
gesetzt ist, von einem schwachen römischen Korps von 5000 Mann ge-
deckt, welches zuerst von Cn. Sicinius befehligt worden war und jetzt
unter Cälius, wahrscheinlich seinem Nachfolger (Liv. 43, 21, 1), stand.

i) Pol. XXVIII 3, 1 und 6 = Liv. 43,17, 9 f. Hostilius wird hier als „Pro-
konsul" bezeichnet, also handelt es sich um den Winter 170/169. — Pharsalos
Liv. 44,1, 5.

"-) Diod. 30, 6. Liv. 43, 4, 8. 7,10. Niese III, 129. — Es ist übrigens nicht
möglich, über die Tätigkeit als solche ein Urteil zu fällen, weil wir die Gegen-
mafsregeln des Perseus und seines Bundesgenossen Kotys nicht kennen und über-
haupt zu lückenhaft unterrichtet sind.

3) Von dem Zuge sind auch nur gelegentliche Erwähnungen erhalten, da
diese Partie auch bei Livius verloren gegangen ist. So Liv. 43, 18, 2. 19, 14.
Periocha 43. Pol. XXVIII 8, 2. Verluste der Dardaner Plut. Aem. 9.

4) sub tempus brumae Liv. 43, 18, 1.

;>) s. S. 254. — Auf Karte 1 ist der Zug durch die Namen Neretschkakette
und Witschu, östlich von den dassaretischen Seen, bezeichnet.
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