Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 2: Antike Schlachtfelder in Griechenland 2): Die hellenistisch-römische Periode : von Kynoskephalae bis Pharsalos — Berlin, 1907

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Die Feldziige Sullas in Griechenland.

Die Tatsache, dafs die römischen Truppen auf dem Philoböetos
sich vor der Überlegenheit der Gegner fürchten, wird man um so
weniger zu bezweifeln Grund haben, als sie wenig ruhmvoll ist
und durch den Umstand unterstützt wird, dafs Sulla trotz seiner
Verpflegungsschwierigkeiten, und trotzdem er eine Entscheidung
dringend wünschte, tatsächlich nicht zu schlagen wagte (S. 360).
Vor einer kleinen numerischen Überlegenheit werden aber die kriegs-
geübten und auf ihren Führer unbedingt vertrauenden Legionen, die
sich bei Nola und im Samnitenlande mit ganz anderen Gegnern ge-
messen und eben unter unsäglichen Schwierigkeiten die Eroberung
des Piräus glorreich durchgesetzt hatten, kaum zurückgeschreckt sein.
In Übereinstimmung damit ist das Heer des Archelaos trotz starker
Entsendungen (S. 360)^ bei Chäronea den Römern so überlegen,
dafs es eine Umfassung des Sullanischen Heeres auf beiden Flügeln
zugleich versuchen kann und trotzdem im Zentrum noch so stark
bleibt, dafs hier von einer besonders tiefen Aufstellung der Phalanx
die Rede ist, eine Tiefe, die nach Analogie anderer Schlachten
32 Mann betragen haben mufs') (oben S. 323).

Nun haben wir in einer unserer Darstellungen die Angabe, dafs
die vereinigten Armeen der Pontiker dem Sulla um mehr als das
Dreifache überlegen gewesen wären2).

Ohne auf.diese Angabe als Zeugnis allzuviel Gewicht zu legen,
möchte ich doch glauben, dafs sie ein, wenn auch immer noch über-
triebenes, so doch annähernd richtiges Verhältnis zum Ausdrucke
bringen könnte, und man im Anschlüsse daran die Gesamtarmee
vielleicht auf 40 000 Mann einschätzen dürfte, ein Verhältnis, bei
dem die unleugbare taktische Überlegenheit des römischen Heeres
als Ganzes und die ebenso unleugbare militärische Überlegenheit des
einzelnen Legionars noch eben genügt haben dürfte, um der numeri-
schen Überlegenheit der Gegner die Wage zu halten.

Nach der Niederlage von Chäronea soll sich noch eine Anzahl
von über 10 000 Mann in Chalkis zusammengefunden haben3)- Diese
Schätzung dürfte eher zu niedrig als zu hoch sein.

1) Bei der Phalanx haben sich nach Plut. Sulla 18,11 f. allein 15 000 be-
freite Sklaven befunden. Er nimmt also die Gesamtzahl der Phalangiten offen-
bar beträchtlich gröfser an.

2) App. Mithr. 41, 17: oi<5" h Tgaij/uoQiov ra nävia xüv nole/ifav.

3) App. Mithr. 45, 21: oi nolv nlttovg — pvgtwv. Plut. Sulla 19,14: /uvq(ov;.
Dazu die Epitomatoren des Livius.
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