Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Zum Kapitel der Ausstellungen.

Dazu VIII. die unvermeidliche Lvtterie und
IX. Grüudung eiues Vereins für kirchliche Kuust
in Mähren.
Das nenne ich doch eine „Lokal-Ausstellung!"
Weun eiu großes Jnstitut, eine Behörde oder
ein Verein für kirchliche Kunst solch Programm
crläßt uud sich an alle Behörden, Sammlungen,
Kirchen des Jn- und Auslandes wendet, so ist
das schon eiu kühnes Unternehmen. Aber wenn
ein kleines Museum, ohne Räume, Fonds -c.
das thut, — was soll denu da herauskom-
meu? Es werdeu eine Anzahl alter Kirchenge-
räte planlos überallhcr zusammengeschleppt, ohne
System, was gcrade zu haben ist, ebenso eine
größere Anzahl Abbildungen; einige lebende
Bilder werdcn gestellt, die „stilgerecht durchge-
führte kirchliche Räume" vorstellen sollen, end-
lich schicken cinige strebsame Verleger „Publika-
tionen jedweder Art übcr kirchliche Kunst und
Kunstindustrie" — uud ein Jahrmarkt für kirch-
kiche Kunst ist wieder fertig. Wenu er nämlich
fertig wird! Denn zum Glück hat das Museum
selbst einige heilsame Riegel vorgeschoben, welche
allzu starker Beteiligung von vornherein einen
krästigen Widerstand entgegensetzen dürften. Zu-
nächst ist Ende August zur Betciligung einge-
laden, am 1. Oktober soll eröffnet werden; ani
20. September svllen die Objekte am Ort der
Ausstellung sein, größere früher. Das geht
etwas eilig. Aber nun weiter; in deu „Nor-
men fllr die Ausstellung" heißt es:
4. Die Zu- ünd Rücksendungskosten von alten
Kunst- und kunstgewerblichsn Ausstellungs-Objec-
ten, welche von geistlichen Besitzern, Stisten, Klö-
stern und Pfarrämtern ausgestellt werden, trägt i u
besonderen berücksichtigungswerthen Fäl-
len, sofern es gewünscht wird. das Museum.
5. Für den Aufstellungsraum, für die Auf-
stellung und für Besprschung dsr Objecte in den
Blältern, insbesondere in den Muscal - Mitthei-
lungen rc. errvachsen den Ausstellern keinerlei Spesen:
selbehabennurdieHer-undHinfrachtzutragen
und bei Objecten, welche vom Auslande einlangen,
auch nur dann Zoll zu entrichten, wenn dieselben
hierorts verkauft wsrden. Für die umständliche
Aufstellung besonders großer oder schwerer Objecte

hat der Aussteller dem Museum die Cigen-
kosten zu vergüten.
Jch glaubte anfaugs, ich hätte diesen Passus
nicht richtig gclesen; bci genauerem Studium
sand ich aber, daß die Sache sich doch so ver-
hält: dasür, daß ein Jnstitut irgend welcher Art
so sreundlich ist, sich Monate lang von ihm ge-
hörigen Objekten, dem Brünner Museum zu-
liebe, zu trennen und dieselben lokaler Be-
nutzung zu entziehen, sie den Gefahren des
Transportes rc. aussetzt, und Gott weiß welche
Scherereien übernimmt, — dasür erwachsen ihm
weiter „keinerlei Spesen", nur zahlt es noch die
„Hin- und Herfracht", welche nur „sofern cs
gewünscht wird", aber auch dann nicht jcdesmal,
sondern nur „in besonderen berücksichtigungs-
wertcn Fällen", das Museum trägtü Jch habe
schvn manche Anssorderung zur Beteiligung an
Ausstellungen gelesen — und das Herz eines
MuseumSbcamten ersüllt schon der Gedanke,
Kunstwcrke auf die Wanderschaft schicken zu
müssen, mit innigcm Grimm — aber so etwas
ist mir doch noch nicht vorgekommen. Man
weiß nicht recht, ob das ganze Ansinnen naiv
vdcr unverfrorcn ist. Aber, dars man füglich
weitcr fragen, wohin sührt so etwas? Gewiß
finden sich immer Leute, die nicht anders können,
sie müssen ausstellen, odcr solche, die ihre Samm-
lungen dnrch billige Zeitungsreklamen im Werle
erhvhen wollen, auch Bchörden werdcn gelegent-
lich gedrängt oder fallen von selbst hinein,
kurz, daß eine Ausstellung zustande kommt,
daran ist nicht zu zweifeln. Welcher Art die-
selbe sein wird, ist oben vermutungsweise aus-
gcsprvchen. Aber mag sie sein, wie sie will:
das Beispiel wird wciter wirken und sortzeugend
ncue Ausstellungcn gebären. Da hilft nur ener-
giscbe, gemeinsame Abwehr: man beschicke
solche Ausstellungen nicht und lasse von sach-
kundiger Seite darüber gleich anfangs berichten.
Dann schreckt man die Besucher ab, verhilst dem
Unlernehmen zu einem srischen sröhlichen Defizit
und dann soll anderen Unternehmern die Lust
dazu schon vergehen.
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