Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Bücherschau.

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ist den Lesern der „Zeitschrift für bitdende Kunst"
seit Jahren zu bekannt als ganz vortrefflicher
Zeichner, als daß wir nötig hätten, auf seine
daraus und aus Ortwein-Scheffers Deutscher
Ncnaissance(Abteilung XXXIV, Bremen 5 Hcfte)
entlehnten Ausstellungsobjekte noch besonders
hinzuweisen*). Neu waren uns seine sorgfältig
durchgeführten Konknrrenzentwürfe, von denen
eincr preisgekrönt wurdc, und einc Anzahl hüb-

*) Mittelsdorf bearbeitet für diese Publikation
gegenwärtig noch Hanau und Frankfurt a. M., wovon
wir einige Blätter sahen.

scher Vignetten. Die Architekten A. Deines und
Ernst Zimmermann lieferten neben einigen
selbständigen Entwiirfcn eine große Anzahl Reise-
skizzen und Aufnahmen; von deni Modelleur
L. Nowack fiel uns ein schönes Pokalmotiv auf
und von Bildhauer H. Heck einige gut rnodellirte
Porträtköpfe.
Eine besondere Würdigung der Gemälde des
bekannten und verdienten Leiters der Hanauer
Zeichenakademie, Prof. Hausmann, sowie der-
jenigen von G. Cornicelius miissen wir uns,
da sie aus dem Rahmen des Kunstgewerbes
herausragen, an anderer Stelle vorbehalten.

Bücherschau.

XVII.
I. Lessing. — Was ist ein altes Knnst-
werk wert? Berlin, 1885. L. Simion.—
Mk. 2.
?.— Die Frage, welche der Verfasser in der
vorliegenden Schrift behandelt, istheute, wo Kunst-
enthusiasmus und Sammlernarrheit oft großeVer-
mögen in Kunstsammlungen stecken, eine volks-
wirtschaftliche geworden, und mit Recht konnte
sie von der volkswirtschaftlichen Gesellschaft zu
Berlin als Theina eines Bortrages gestellt werden,
welcher in erweitcrter Fvrm jetzt im Druck vor-
licgt. Nur wenige in Deutschland sind sähig, die
aufgetvorfene Frage erschöpfend zu behandeln,
Julius Lessing vielleicht der Berufenste nnter ihnen.
Sv leicht sich das Schriftchen liest, so cinfach
und klar der Jnhalt ist, so selbstverständlich
einem alles vorkommt, so ahnen doch nur wenige
Leser, welche Fülle von Wissen und Erfahrung
in den wenigen Bogen steckt.
Zunächst ist es eine außerordentliche Ver-
trautheit mit den Werken der Kunst, welche dem
Verf. gestattete, an die Frage heranzutreten.
Als Leiter nicht nur, man darf getrost sagen als
Schöpfer einer der ersten Samuilungen der Welt,
iui täglichen, engsten Verkehr mit Kunstwerken,
zählt er auf dem Gebiete Ler Kleinkunst zu den
ersten Kennern. Die fortwährenden Beziehungen
äum Kunstmarkt haben ihm auch eingeheude
Kenntnisnahme dieses sv schwierigen Gebietes

ermöglicht; wer je mit dem Kunstmarkt zu
thuu gehabt, weiß, was das bedeutet! Man
muß, um hier klar zu sehen, noch schlauer als
der allerschlauesteHäudler, mit allenHunden gehetzt
und mit allen Snlben geriebcn sein, den Fäl-
schungen auf Schritt und Tritt nachgehen, allc
Kniffe und Pfiffe der Agenten und Händler
jeder Nationalität, Standes und Bekcnntnisses
auskundschaften. Aber nicht bloß einen Einblick
in das mannigfaltige Getriebe auf dem Knnst-
markt, die Wertschätzung und das Sinken im
Wert geysisser Gruppcn von Kunstwerken gcwährt
der Verf., er forscht nach den Gründen dieser
Bewcgungcn und Schwankungen, die in den ver-
schiedenstcn Momenten wurzeln. Leider müssen
wir es uns hier versagen, auf diese vortrefflichsten
Partien des Schriftchens einzugehen, die im
Zusammenhang gelesen sein wollen.
Eine besonders wichtige Frage bildet das
Kapitel der Fälschungen: bei dem außerordent-
lichen Grad der Vollendung, welchen heute die
Falsifikate erreicht haben, daß sie selbst oft die
gewiegtesten Kenner täuschen, liegt ja die Frage
nahe, ob es denn überhanpt noch gerechtfertigt
sei, für ein Original Tausende zu bezahlen, wenn
man cine täuschende Jmitation für den hundertsten
Teil erhalten kann. Lessing bemerkt dazu:
Es ist nicht leicht, diese Frage zu beant-
worten. Zunächst wird man bemerken müssen,
daß der Zweifel über die Echtheit eines Stückes
nur kurze Zeit anzuhalten Pflegt. Die wirklichen
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