Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Die achte Ausstellung
der Hnion 66utrul6 cl68 ^it8 <l66orutit8 in paris.
Von E. U. <Ldler von Kutas.
lNit Abbildungcn.

I
Die Ilnion csntruls äss -^rts äveorntiks,
deren uneigennütziges Wirkcn allenthalben, hanpt-
sächlich in Frankrcich, immer mehr nnd mehr
Anerkennung findet, die endlich auch ihr lang-
ersehntes Ziel, die Gründung eines großen
Kunstgewcrbemusennis, erreichen wird, hat im
verslossenen Jahr in den weiten Hallen des
Jndustriepalastes auf den Champs Elysdes in
Paris ihre achte Spezialausstcllung vcranstaltet.
Von Mittc August bis Ende Novembcr hattc
sie diesmal das Holz als Konstruktion, dcn
Stein, dcn Thon und das Glas vorgeführt,
und Gelegenheit zum Lerncn geboten: denn
man sollte kaum glauben, wie von allen inter-
essirten Kreisen Frankreichs das lebhafte Be-
dürfnis empfunden wird, derjenigen Mittel teil-
haftig zu werden, die in ganz Europa zur
Hebung der heimischen Kunstindustrie in letzter
Zeit zur Anwendung gelangt sind.
Jnsbesvndere ist es Deutschland, dessen
staunenswcrter Fleiß und von Erfvlg gekrvnte,
ausdaucrnde Wirksamkeit auf diesem Gcbiete
Bewunderung, ja mitunter heilsamcn Neid ver-
ursacht. England arbeitet ja auch tüchtig,
konkurrirt jedoch wcniger mit Frankreich; Dentsch-
land hingegen, dem cs gelungen seinen Fabri-
katen Eingang selbst in Frankreich zu ver-
schaffen, das Plätze, wv bis jetzt Frankreich
alleiu geherrscht, zu erobcrn verstanden, vcr-
ursacht schon heute mehr Besorgnis als nian
für gewvhnlich anzunehmcn pflegt. Die dro-
hende Gefahr einer verderblichen industriellen
Krise beschäftigt alle Welt in Frankreich aufs
lebhafteste. Kein Wunder demnach, wenn Ercig-
nisse, die aus diese Frage Bezug haben, oder die
eine Änderung in dem jetzigen Stand der

Dinge bezwecken, lebhafte Teilnahme finden —
so auch die cben erwähnte Ausstellung.
Weit entfernt eineu Berglcich mit der Vvraus-
gegangenen Exposition anstellen zu wvllen, mußte
es doch jedem noch so flüchtigen Besucher der
diesjährigen Ausstellung auffallen, daß es in
Frankreich, wo so viele Amateurs beträchtliche
Summen für ihre Sammlungen vpfern, der
Union Centrale nicht gegliickt ist, ein vvllstän-
digeres Material aufzubringcn, wcnngleich die
Qnalität über alles Lob erhaben war.
So vermißten wir mit Bedauern u. a.
die vielen kleinen Faience-Fabriken, mit welchen
Frankreich im Laufe des 17.—18. Jahr-
hunderts übersät war und die zu studircn hier
die beste Gelegenheit gewesen wäre; jeder
Vertretung entbehrte das französische Gebrauchs-
glas rc. Doch es kvnnte kaum anders kommen.
Die Union Centrale bezieht den Jndustrie-
Palast crst mit Schluß des Salons; ihre Aus-
stellungen fallcn daher schon in eine Saison,
wv alle Welt Paris vcrläßt und sich der
Amateur uur ungern cntschlicßt Gegenstände
zu verleihen; und endlich erhält man so zerbrech-
liche Kunstwerke wie Glas und Potcrie immer
schwerer als Möbel oder Stoffe.
Der Charakter dieser Ausstellungen der
Univn Centrale ist schon von Vvrnherein durch
die Statuten der Gescllschaft bcstimmt, in denen
eine Trennung des technologischen Teiles vom
künstlerischcn nicht bczweckt wird. Auch werden alle
Behelfe, die sich ausGeschichte und Entwicklung be-
ziehen oder zum Studium des ausgestellteuMate-
riales dienen kvnnten, alsPublikativnen, Ausnah-
men, ja sogar Werkzeuge und Rohmaterial, zu-
gelassen. Nebenbei wvllen wir noch bemerken, daß
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