Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Chinesische Glasarbeiten.

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gestanden hat. Es ist kaum glaublich, daß sich
ein Vvlk Jahrhunderte lang mit importirten
Glasflüsscn behvlfcn haben svllte, dessen kera-
mische Leistungcn sv hoch stehen. Fertigte man
erst farbige Glasmasse, so war dvch nur ein
Schritt zu einer selbständigcn Glasindustrie.
Dieser Zusammenhang wird ferner dadurch wahr-
schcinlich, daß die Chinescn fast ansschließlich
sarbiges Glas gefertigt haben und nvch sertigen.
Dabei überwiegt weiter das vpake Glas,
welches in einer beschränk-
ten Anzahl Farben herge-
stellt wird; alle mit be-
stimmtenNamen bezeichnet.
Jn früherZeit nanntcn die
Chinesen den Zcllenschmelz
Orr-tsai d. h. sünf Farben,
vffenbarweilmannichtmehr
Glasflüsse hatte'); heute
benntzt man> deren zwvlf,
dic in Peking gefcrtigt wer-
den. Diefe Farben sind:
Blau (Türkis), „Ölgrün",
„Fichtengelb", Schwarz,
„Erdgrün", Gelb, Lila,
Rvt, Weiß, Dunkclgrün,
Dunkelblau, Nvsa (— un-
serem Goldpurpur). Aus
allen diescn opaken Glas-
flüssen bcsitzt das Kunst-
gewerbemusenm Gefäße
der vcrschiedensten For-
men. ilbrigens tverden
selbst kleineFarbennüancen
Vvn den Chinesen scharf
»nterschicden; cinige dieser
siir nns meist kurivsen Bezeichnungen mvgen der
Vvllständigkeit halber hier einenPlatz sinden. Der
Chincse kcnnt dnnkelmvndweißes, gold- und bern-
steingelbes, rvsenlila, eierfruchtlila, großrvtes,
schminkrvtes, hanfbreifarbiges Glas. Dazu kom-
men nvch eine Anzahl geflammter Glasflüsse, die
wie ihre teilwcise bekannten Namen schvn lehren,
als Ersatz für gewisse in China hochgeschätzte
Halbedelsteine Verwendung sinden. Zunächst ein
eigentllmlich rot- und gelbgeflammtes Glas,
aus verschiedenfarbigen Glasflüssen zusammengc-
schmolzen?) An Steinartcn werdcn imitirt: Ma-

t) Lippmann, Studien über chinesische Email-
vasen, Wien 1870.
2) Angeblich aus europäischem Glas, was sehr
unwahrscheinlich ist; vermutlich steckt in dieser Angabe

lachit („Pfaucnstein"), Achat und von den Chinesen
untcrschiedene speziekle Arten dessclben (Schild-
patt-, Tigerhaut-, Wasscralgen-, Reissuppcn-
farbiger, schminkweißer, roter, dunkelgelber :c.
Achat), vor allem aber Jade in allen seinen
zahlreichcn Farbenabstufungen; genannt werden
besvnders gelber Jade und Fetzui-Jade (eine
weiß und grün gefleckte Art); endlich einige
andcre Steinarten, dcren chinesische Namen nicht
in Übersctzung vorliegen (Pishi-Stcin, Nau-tan-
lung-Stcin rc.). Übrigens
sind diese Steinimitationen
meist vortrefflich und dar-
aus gefertigte kleinere Ge-
räte, z. B. Schnupftabaks-
fläschchen, vst nur mitMühe
von echten zu unterscheiden.
Weit weniger belicbt
als das opake ist das d u rch-
sichtige Glas, doch ist
auch hier die Farbenskala
eine ziemlich reiche; die
häufiger vorkvmmendcu
Farbcn sind: Blau, Grün,
Braun in zahlreichen Nü-
ancen mit bcsvnderen Be-
zeichnnngen (bvhncngrün;
bohncnbrcibraun; zwiebel-
grünrc.). Das weiße durch-
sichtige (Krystall-)Glas
wird als „wasserhell", als
„Tuschkrystall" oder
„Rauchkrhstall", wenn es
etwas trllber ist, bezeich-
net, kommt übrigcns ziem-
lich selten vor. Häufiger
ist Opalglas, welches in hoher Vollendung
fabrizirt und zn kleincn Geräten gern verwendet
wird. Nur in wenigcn StUcken ist das Nubin-
glas bisher bekannt, es unterscheidet sich von dem
eurvpäischen dadurch, daß es bei durchfallenden
Lichtstrahlen die prächtige Rnbinfarbe zeigt, bei
anffallendem Licht dagegen ein settig-marmor-
artiges Aussehen hat.
Bisher hatten wir es mit Glasarten zu
thnn, welche auch in Europa gefertigt werden,
deren einige sogar mvglicherweise Nachahmungen
europäischen Fabrikats sein kvnnen. Zwei Svr-
ten Glas dagegen sind China eigcntümlich, eine
derselben wurde auf Grund der Berliner Samm-
eine Tradition aus früherer Zeit, als das Rohinate-
rinl überhaupt noch aus Europa kam.


Fig. S. Chinesisches Glasgesäß, Kicn-lung 17SS—17M.
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