Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — 1.1885

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Das japanische Dorf in London.

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des Formers und Gießers die tüchtigste Meister-
schaft. Der schwierige Rohguß ist so trefflich
gelungen, daß er der Nberarbeitung durch den
Ciseleur nicht bedurfte und nur die glatten
Flächen nachträglich abgedreht zu werden brauch-
ten, um einen angeuehmen Wechsel zwischen
ihrem Glanz und dem matteren Ton des Frieses
und des übrigen Ornaments zu erzielen, dem
die Frische Les Modells unberührt erhalten blieb.
Jhrem ganzen Charakter nach empfiehlt sich die
Bowle vorzugsweise der Beachtung militärischer
Kreise, wie denn auch die in den durchbrochenen
Deckel eingefügten ovalen Buckelschilder darauf
berechnet sind, daß ihre Fläche durch das Ein-
graviren von Gedenktagen des betreffenden
Truppenteils noch die erforderliche Belebung er-
hält. Gelingt es ihr, die mit Steigbügeln
dekorirten silbernen Stalleimer und die Schöpf-
löffel in Gestalt metallener Tschakos und Helme,
mit denen unsere Jndustrie den Offizier-Kasinos
noch immer aufwartet, endlich einmal glücklich
zu verdrängen, so wird sich dic Cremer'sche
Bowle damit ein freudig zu begrüßeudes Ver-
dienst erwcrben, und auch dasür wird mnu ihr
dankbar sein diirfen, daß sie in dem Sieme-

Das japanische
Jm Jahre 1884 trat in Loudon eine Kom-
Pagnie unter dem Namen Ills ckaxansss rm-
tivs VIIIsAs Oo. mit dem Projekt hervor, eine
ganze Kolonie Japaner, hauptsächlich Handwerker,
mit Kind und Kegel, Haus und Hvf, Tempel,
Theater, Theehaus nach Europa zu bringen;
man versprach sich davon vielfachen Nutzen und
Anregung für die europäische Jndustrie, denn
nur besonders geschickte Arbeiter svllten engagirt
werden. Ohnc Zweisel würde das Handwerk
der alte» Welt mauches durch das Unternehmen
gewonnen haben: denn nicht zum germgsten Teil
liegt ja der Reiz der japanischen Kunstarbeiten
in Ler bisher unerreichten technischen Vollendung
und Präzision der Ausführung. Wohl kann ein
iutelligenter Handwerker an dem fertigcn Stück
inancherlei lernen; aber die mannigfachen Hand-
griffe, der Gebrauch dcr Werkzeuge, Benutzung
von Vorlagcn, Anwendung besonderer technischer
Prozeduren — das ist doch gewissermaßen nur
durch „Absehen", nur in der Werkstatt selbst zu

ring'schen Fries ein Werk von neuem in Erinne-
rung bringt, dem längst eine dauernde Erhal-
tung in würdiger monumentaler Gestalt gebührt
hätte. Allerdings aber darf nicht verschwiegen
werden, daß die Übertragung der monumental
gedachten Schöpfung auf ein Erzeugnis der
Kleinkunst auch in diesem Fall sich als ein
immerhin mißliches Unternehmeu erweist. War
der Siemering'sche Fries einmal als Schmuck
des Gefäßes in Aussicht genommen, so blieb
dem entwerseuden Künstler, sofern er das Relief
nicht der gebührenden Geltung berauben wollte,
kaum etwas anderes übrig, als es iu der Weise,
wie es hier geschehen ist, in eine mehr oder
minder an den Ausbau des Postaments erinnernde
architektonische Gliederuug eiuzufügen. Ganz
abgesehen von dem nun schwer durchsührbaren
einheitlichen Maßstab der Ornamentirung, mußte
sich daniit eine Gesamtform ergeben, die schwerer
und starrer ist, als wir sie von dem zum
Schmuck der Tafel bestimmten Gerät verlangen.
Nicht ein mangelndes Können des bewährten
Architekten trägt die Schuld hieran; sie ist eben
in einem gewissen inneren Widerspruch der Auf-
gabe von vornhereiu begründet.

Dorf in London.
erlernen. Es war hier die Möglichkeit gebvteu,
sich über die Herstellung gewisser Kunsterzeug-
nisse Ostasiens zu unterrichten, deren Nachahmung
trotz eifriger Versuche uns bisher nicht hat gc-
lingen wollen.
Jn richtiger Erkenntuis der Bedeutuug eines
solchen Unternehmens waren sofort von Bcrlin
aus, zunächst von privater Seite, Schritte ge-
than, die Ausstellung auch für Berlin zu sicheru.
Von den zuständigen Behvrdcn war eine Förde-
rung des Ganzen in Aussicht gestellt, die höchstcn
Kreise interessirten sich für das Unternehmcn.
Die finanziellen Schwierigkeiten waren dadurch
von vornherein gehoben, daß Herrvr. E.Riebeck,
dessen uneigennütziger Förderungwthnographischer
und industrieller Bestrebungen wir auch an
dieser Stelle schon rühmend gedacht haben, mit
einer sehr erheblichen Summe eingetreten war.
Jm Januar 1885 wurde die Ausstellung
in London eröffnet, und es stellte sich gleich
heraus, daß dieselbe in keiner Weise den Er-
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